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Korrekturprofil Aufgabe I B: Erörterung zweier literarischer Texte

Zielrichtung der Aufgabe

Die beiden für den Werkvergleich vorgesehenen Pflichtlektüren sind unter einem vorgegebenen Gesichtspunkt miteinander zu vergleichen. Dabei wird der Vergleich von einem kurzen Außentext gesteuert, der den Vergleichsaspekt vorgibt (einteilige Aufgabenstellung) oder diesen akzentuiert (zweiteilige Aufgabenstellung). Der Werkvergleich ist seinem Wesen nach eine literarische Erörterung, die eine Auseinandersetzung mit einer These verlangt.
Erörtern heißt der Definition des Operators gemäß „sich mit einem Thema kritisch, differenziert und argumentativ befassen [und] in schlussfolgernder Abwägung des Für und Wider unter Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven ein begründetes Urteil fällen“1. Dabei müssen die beiden Texte stets vergleichend herangezogen werden, d.h. die Argumentation des Aufsatzes muss „Gemeinsames und Unterschiedliches herausarbeiten und gegenüberstellen [und] gewichtend ein Ergebnis formulieren“2.

 

Korrekturprofil

  1. Ist eine sinnvolle Gliederung erkennbar? Ist der Aufsatz insgesamt konzeptionell schlüssig und gedanklich klar strukturiert? Wird der vorhandene Gestaltungsspielraum zielführend genutzt?
  2. Ist die Einleitung funktional, d.h. thematisch angelegt, passend, knapp und präzise? Nennt sie die wesentlichen Basisinformationen zu Außentext und Ganzschrift? Vermeidet sie floskelhafte Formulierungen?
  3. Wird die inhaltliche Anbindung an die Werke funktional und nicht zu ausführlich gestaltet?
  4. Wird die Aussage des Außentextes angemessen wiedergegeben?
  5. Sind der zu bearbeitende Vergleichsaspekt und zentrale Begriffe erfasst und – wenn nötig – erläutert und/oder definiert? Werden einschlägige Teilaspekte entwickelt? Wird deren innerer Zusammenhang deutlich? Werden diese in den Mittelpunkt gestellt?
  6. Ist die Argumentation eigenständig und ergiebig? Werden keine wesentlichen Aspekte unterschlagen? Entfaltet die Erörterung ein hinreichend breites Spektrum?
  7. Erreicht die Argumentation eine Vertiefung? Verbleibt sie nicht nur bei der Handlungsoberfläche? Zieht sie vertiefende Deutungsdimensionen heran?
  8. Werden die Argumente klar, plausibel und differenziert ausgeführt? Wird textbezogen argumentiert und werden zentrale Aussagen an den Text rückgebunden? Wird eigenes Fach- und Weltwissen einbezogen?
  9. Werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausgearbeitet, d.h. abstrahierend und auf Wesentliches konzentriert dargestellt und textbezogen akzentuiert? Gelingt es inhaltlich wie sprachlich, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in einen stimmigen Argumentationszusammenhang zu bringen und die einzelnen Aspekte zu einem Gesamturteil zusammenzuführen? Werden die Ergebnisse gewichtet, ist Wichtiges von Randständigem abgehoben?
  10. Wird die Argumentation am Ende in einem Fazit gebündelt? Wird ein klares und differenziertes Ergebnis formuliert, das sich aus dem Begründungsgang ergibt?
  11. Ist immer erkennbar, wenn eine fremde Meinung referiert wird? Werden Modus (Konjunktiv I), Verba dicendi und Zitate richtig eingesetzt?
  12. Wird in einer sachlichen Sprache formuliert? Wird Fachsprache klar und sicher verwendet? Ist der Aufsatz im Ausdruck angemessen und verständlich? Sind insgesamt die handwerklichen Standards beachtet? Wird immer das Präsens verwendet und die Consecutio temporum beachtet (Perfekt bei Vorzeitigkeit)? Werden Verstöße gegen die Sprachrichtigkeit vermieden?

 

Hinweise

  • Zu einer guten und sehr guten Leistung gehören Schwerpunktsetzung und Abstraktion. Inhaltliche Vollständigkeit ist nicht zu erwarten, die Lösungshinweise zu den Abituraufgaben bieten Anhaltspunkte, beschreiben aber nicht eine vom Schüleraufsatz zu erwartende Maximalleistung.
  • Individuelle Wege in Schüleraufsätzen sind möglich und nicht per se schlechter; es ist jeweils zu prüfen, ob sie der Zielrichtung der Aufgabe entsprechen. Die Disposition lässt einen Gestaltungsspielraum.
  • Erörtern und Vergleichen müssen auch sprachlich durch geeignete Formulierungen deutlich werden. Ein reines Nebeneinander von Interpretationen erfüllt die Aufgabenstellung noch nicht, genauso wenig ein bloßes Sammeln von Beobachtungen und Textbefunden.
  • Mögliche Verfahrensweisen des Vergleichs:

    1. Erörterung Text 1
    2. Erörterung Text 2
    3. (eigentlicher) Vergleich
    1. Erörterung Text 1
    2. Erörterung Text 2 (mit Rückbezug)
    3. (sichtender) Vergleich
    Der Vergleich erfolgt in einzelnen Vergleichsaspekten.

 

1 http://www.deutsch-gymnasium.de/abitur/2010/Deutsch_Abitur_Operatorenkatalog_ab2010.pdf, S. 4; BP2016BW_ALLG_GYM_D, S. 81.

2 Ebd.; BP2016BW_ALLG_GYM_D, S. 82.

 

Korrekturprofile: Herunterladen [pdf][583 KB]

 

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