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Korrekturprofil Aufgabe III A: Materialgestütztes Verfassen argumentierender Texte

Zielrichtung der Aufgabe

Bei diesem Aufgabenformat geht es darum, für eine vorgegebene Situation einen Kommentar zu verfassen. Dazu werden den Schülerinnen und Schülern Materialien an die Hand gegeben, die sie für ihre Argumentation nutzen sollen, indem sie sie in ihre Argumentation integrieren oder sich mit ihnen auseinandersetzen. Die Themenstellung ist „domänenspezifisch“, d.h. sie bezieht sich auf Inhalte des Faches Deutsch.
Der Aufsatz muss mit Blick auf eine konkrete kommunikative Funktion verfasst werden. Die Aufgabenstellung gibt „Ausgangssituation, Adressatenbezug, Veröffentlichungsort sowie ein aufgabenbezogenes Handlungsziel“1 vor. Als argumentierende Textsorte ist der Kommentar festgelegt, der im Abituraufsatz umfangreicher und etwas komplexer sein sollte, als es ein Zeitungskommentar sein kann. Die Textsorte Kommentar gibt inhaltliche, strukturelle und sprachliche Anforderungen vor. Es wird folgende Definition zugrunde gelegt:

Der Kommentar ist eine meinungsbetonte Darstellungsform. In einem Kommentar wird eine subjektive, aber argumentativ begründete und sachlich wertende Stellungnahme zu einem aktuellen domänenspezifischen Ereignis oder Thema formuliert. Die Textsorte erfordert Sachkenntnis, rationale Argumentation und sprachliche Prägnanz, die durch einen gezielten Einsatz sprachlicher Gestaltungsmittel unterstützt wird. Grundlegende Elemente des Kommentars sind eine inhaltlich korrekte und konzise Darstellung des zu kommentierenden Sachverhalts, eine argumentative Auseinandersetzung damit und eine Positionierung des Verfassers. Ein Kommentar soll zur differenzierten Auseinandersetzung mit dem Thema anregen, von der Position des Autors überzeugen und somit zur Meinungsbildung beitragen. Im Unterschied zum eher kürzer gehaltenen journalistischen Kommentar erfordert die Textsorte Kommentar als Aufsatzform im Deutschabitur eine ausführlichere Auseinandersetzung mit einem komplexen Thema.

Das Dossier enthält als Materialien einige (in der Regel mehr als drei) Texte oder Textausschnitte („z.B. lineare und nichtlineare Texte, kürzere und längere Texte, populärwissenschaftliche, journalistische, literarische und – im Schwierigkeitsgrad angemessene – wissenschaftliche Texte“2). Sie beziehen sich auf die Aufgabenstellung und geben inhaltliche Impulse vor. Auch wenn das Dossier in einem inhaltlichen Zusammenhang steht, muss es nicht frei von Widersprüchen sein. Das Dossier muss in angemessener Weise genutzt, der Bezug darauf jeweils im Aufsatz kenntlich gemacht werden (z.B. Nennung des Autors).

 

Korrekturprofil

  1. Ist eine sinnvolle Gliederung erkennbar? Ist der Aufsatz insgesamt konzeptionell schlüssig und gedanklich klar strukturiert? Wird der vorhandene Gestaltungsspielraum zielführend genutzt? Entspricht der Text den Anforderungen der Textsorte Kommentar? Wird ein aussagekräftiger Titel formuliert? Sind die Teilbereiche Darstellung des zu kommentierenden Sachverhalts, Argumentation und persönliche Meinung des Autors klar voneinander unterschieden?
  2. Ist die Einleitung funktional, d.h. thematisch passend, knapp und präzise? Vermeidet sie floskelhafte Formulierungen?
  3. Werden das Thema und die damit verbundene Problemstellung zu Beginn klar umrissen?
  4. Werden ggf. wichtige Grundbegriffe geklärt?
  5. Werden die Materialien sachangemessen, funktional, eigenständig und differenziert herangezogen und in den Text integriert? Werden kontroverse Beiträge aus unterschiedlichen Perspektiven sachlich und problemorientiert verarbeitet?
  6. Ist immer erkennbar, wenn eine fremde Meinung referiert wird? Werden Modus (Konjunktiv I), Verba dicendi und Zitate richtig eingesetzt?
  7. Ist die Argumentation ergiebig? Sind die wesentlichen inhaltlichen Aspekte des Themas, die die Materialien erkennen lassen, angemessen erschlossen und berücksichtigt? Entfaltet die Argumentation ein hinreichend breites Spektrum? Werden Teilaspekte des Themas für die Gesamtuntersuchung fruchtbar gemacht?
  8. Erreicht die Argumentation eine angemessene Vertiefung? Werden allgemeinere Zusammenhänge (z.B. gesellschaftspolitische, historische, ethisch-philosophische, kulturelle) jenseits der unmittelbaren Alltagserfahrung herangezogen?
  9. Ist die Argumentation eigenständig? Werden auch Argumente ausgeführt, die über die Materialien hinausgehen? Sind eigene Argumente klar abgegrenzt von Argumenten aus den Materialien? Werden Thesen aus den Materialien auch substanziell problematisiert?
  10. Werden die Argumente klar, plausibel und differenziert ausgeführt? Wird eigenes Fach- und Weltwissen einbezogen?
  11. Wird die Argumentation am Ende in einem klaren und differenzierten Fazit gebündelt, das sich aus dem Begründungsgang ergibt?
  12. Berücksichtigt die Argumentation die Kommunikationssituation und den/die Adressaten?
  13. Entspricht die sprachliche Gestaltung der Textsorte Kommentar? Wird eine klare und prägnante Sprache mit eigenständigen Formulierungen verwendet? Werden sprachliche Mittel funktional eingesetzt? Hat der Aufsatz eine passende, aussagekräftige Überschrift?
  14. Ist der Aufsatz im Ausdruck angemessen und verständlich? Wird Fachsprache klar und sicher verwendet? Sind insgesamt die handwerklichen Standards beachtet? Wird immer das Präsens verwendet und die Consecutio temporum beachtet (Perfekt bei Vorzeitigkeit)? Werden Verstöße gegen die Sprachrichtigkeit vermieden?

 

Hinweise

  • Zu einer guten und sehr guten Leistung gehören Schwerpunktsetzung und Abstraktion. Inhaltliche Vollständigkeit ist nicht zu erwarten, die Lösungshinweise zu den Abituraufgaben bieten Anhaltspunkte, beschreiben aber nicht eine vom Schüleraufsatz zu erwartende Maximalleistung.
  • Individuelle Wege in Schüleraufsätzen sind möglich und nicht per se schlechter; es ist jeweils zu prüfen, ob sie der Zielrichtung der Aufgabe entsprechen.
  • Es wird nicht die Meinung bewertet, die im Kommentar zum Ausdruck kommt, sondern die Qualität der Argumentation, die zu einer bestimmten Beurteilung führt.
  • Bei der Korrektur ist insbesondere auch auf klare Argumentationsstrukturen zu achten. Argumente müssen entfaltet und in ihrer Relevanz und Tragweite für die Problemstellung deutlich werden.

 

1 Aufgabensammlung_D_Materialgestuetztes_Verfassen_informierender_und_argumentierender_Texte_Erlaeuterung, https://www.iqb.hu-berlin.de/abitur/sammlung/deutsch

2 Ebd.

 

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