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Korrekturprofil Aufgabe III B: Analyse und Erörterung eines pragmatischen Textes

Zielrichtung der Aufgabe

Es geht bei diesem Aufgabenformat um eine vertiefte inhaltliche oder/und sprachlich-formale Auseinandersetzung mit einem pragmatischen Text. Dieser bezieht sich thematisch auf Inhalte des Faches Deutsch („domänenspezifisch“). Der Schwerpunkt kann auf der Analyse (1. Teilaufgabe) oder auf der Erörterung (2. Teilaufgabe) liegen.
Die erste Teilaufgabe verlangt, dass die Kernaussagen des Textes herausgearbeitet werden. Liegt der Schwerpunkt auf der Analyse, muss der Text zudem in seiner Struktur und sprachlichen Gestaltung analysiert werden; liegt der Schwerpunkt hingegen auf der Erörterung, ist dies nicht gefordert. Darauf aufbauend fordert die zweite Teilaufgabe eine textbezogene Erörterung, die in einer Auseinandersetzung mit der Position des Textes oder mit einem Erörterungsthema, das die Aufgabenstellung mit Bezug auf ihn formuliert, besteht.
Kernthesen herauszuarbeiten verlangt, sie „aus einem Textganzen heraus[zu]lösen und in textbezogener Vorgehensweise akzentuiert [und] auf Wesentliches konzentriert heraus[zu]heben“1; dabei können zentrale Aussagen auch zitiert werden. Ziel ist die konzentrierte Darstellung eines Begründungszusammenhanges. Eine Analyse muss sprachliche, „formale und inhaltliche Aspekte eines Textganzen […] unter aspektgeleiteten Fragestellungen herausarbeiten und die jeweiligen Wechselbeziehungen strukturiert und systematisiert darstellen“2 und funktional in ihrem Wirkungszusammenhang betrachten. Erörtern heißt der Definition des Operators gemäß „sich mit einem Thema kritisch, differenziert und argumentativ befassen [und] in schlussfolgernder Abwägung des Für und Wider unter Berücksichtigung unterschiedlicher Perspektiven ein begründetes Urteil fällen“1.

 

Korrekturprofil

  1. Ist eine sinnvolle Gliederung erkennbar? Ist der Aufsatz insgesamt konzeptionell schlüssig und gedanklich klar strukturiert? Wird der vorhandene Gestaltungsspielraum zielführend genutzt?
  2. Ist die Einleitung funktional, d.h. thematisch passend, knapp und präzise? Nennt sie die wesentlichen Basisinformationen zum Text? Vermeidet sie floskelhafte Formulierungen?
  3. Wird das Thema des Textes benannt?
  4. Werden die wesentlichen Aussagen des Textes eigenständig wiedergegeben? Werden die Kernaussagen des Texts in ihrer inneren Logik und in ihren wesentlichen Begründungszusammenhängen konzise in eigenen Worten dargestellt? Werden weitschweifige Paraphrasen vermieden?
  5. Ist die Darstellung neutral, d.h. wird die eigene Meinung aus der Darstellung herausgehalten?
  6. bei Schwerpunkt Analyse: Werden Aspekte herausgearbeitet und in ihrem Wirkungsgefüge analysiert? Sind Beobachtungen zur Entfaltung des Themas, Aufbau und Struktur, Argumentation (auch argumentativer Status von Textteilen) und Argumentationsstrategie, Sprache (Stilebene, sprachliche Mittel) und Kommunikationszusammenhang (Adressat, Intention, Medium) funktional analysiert? Wird die Fachsprache hierbei sicher verwendet?
  7. Wird eine funktionale, klare Überleitung formuliert?
  8. Werden die zu erörternde(n) These(n) klar und angemessen benannt?
  9. Werden ggf. wichtige Grundbegriffe geklärt?
  10. Ist die Argumentation klar und logisch disponiert? Werden Pro und Contra sinnvoll (i.e. nicht notwendigerweise schematisch) gegenübergestellt bzw. verzahnt?
  11. Ist die Argumentation ergiebig? Werden keine wesentlichen Aspekte unterschlagen? Entfaltet die Erörterung ein hinreichend breites Spektrum?
  12. Erreicht die Argumentation eine Vertiefung? Werden allgemeinere Zusammenhänge (z.B. gesellschaftspolitische, historische, ethisch-philosophische, kulturelle) jenseits der unmittelbaren Alltagserfahrung herangezogen?
  13. Ist die Argumentation eigenständig? Werden auch Argumente angeführt, die über den Text hinausgehen? Werden die Thesen des Textes auch substanziell problematisiert?
  14. Werden die Argumente klar, plausibel und differenziert ausgeführt? Wird eigenes Fach- und Weltwissen einbezogen?
  15. Wird die Argumentation am Ende in einem Fazit gebündelt? Wird ein klares und differenziertes Ergebnis formuliert, das sich aus dem Begründungsgang ergibt?
  16. Ist immer erkennbar, dass eine fremde Meinung referiert wird? Werden Modus (Konjunktiv I), Verba dicendi und Zitate richtig eingesetzt?
  17. Wird in einer sachlichen Sprache formuliert? Wird Fachsprache klar und sicher verwendet? Ist der Aufsatz im Ausdruck angemessen und verständlich? Sind insgesamt die handwerklichen Standards beachtet? Wird immer das Präsens verwendet und die Consecutio temporum beachtet (Perfekt bei Vorzeitigkeit)? Werden Verstöße gegen die Sprachrichtigkeit vermieden?

 

Hinweise

  • Zu einer guten und sehr guten Leistung gehören Schwerpunktsetzung und Abstraktion. Inhaltliche Vollständigkeit ist nicht zu erwarten, die Lösungshinweise zu den Abituraufgaben bieten Anhaltspunkte, beschreiben aber nicht eine vom Schüleraufsatz zu erwartende Maximalleistung.
  • Individuelle Wege in Schüleraufsätzen sind möglich und nicht per se schlechter; es ist jeweils zu prüfen, ob sie der Zielrichtung der Aufgabe entsprechen.
  • Es wird nicht die Meinung bewertet, die im Erörterungsaufsatz zum Ausdruck kommt, sondern die Qualität der Argumentation, die zu einer bestimmten Beurteilung führt.
  • Bei der Korrektur ist insbesondere auch auf klare Argumentationsstrukturen zu achten. Argumente müssen entfaltet und in ihrer Relevanz und Tragweite für die Problemstellung deutlich werden.
  • Die Disposition lässt einen Gestaltungsspielraum. Sie muss sinnvoll und klar sein. Ein Schematismus wie das „Sanduhrmodell“ o.dgl. ist nicht verpflichtend.

 

1 http://www.deutsch-gymnasium.de/abitur/2010/Deutsch_Abitur_Operatorenkatalog_ab2010.pdf, S. 4; BP2016BW_ALLG_GYM_D, S. 81.

2 Definition des Operators interpretieren, BP2016BW_ALLG_GYM_D, S. 80.

 

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