2.2. Individuelle Unterstützung im Lernprozess
Takeshis Castle (Personale- und soziale Kompetenzen)
Verknüpfung der Verständnisorientierung (Item 1.1) der kognitiven Aktivierung mit der Praxis
Eine kognitive Aktivierung kann nur dann zu Verständnisorientierung führen, wenn die Kriterien von Beginn an transparent gemacht werden. Erst durch die klare Benennung dieser indikatorbezogenen Kriterien wird es möglich, dass SuS gezielt beobachten, darüber nachdenken und anschließend reflektieren und verstehen.
Die Lehrkraft unterstützt diesen Prozess, indem sie vorgibt, oder indem sie SuS erarbeiten lässt, auf welche Kriterien im folgenden Unterricht geachtet werden soll. Somit lenkt sie den Fokus auf relevante Aspekte in der Unterrichtsstunde.
Eine optionale Zwischenreflexion und eine gesetzte Reflexion am Ende des Unterrichts ermöglicht den SuS, ihre Beobachtungen zu analysieren und diese in Bezug auf die festgelegten Kriterien zu bewerten. Dieser theoretische Erkenntnisprozess wird durch die praktische Erprobung ergänzt, sodass die SuS das Besprochene unmittelbar anwenden und weiterentwickeln können. Die enge Verzahnung von Theorie, Praxis, Beobachtung und Reflexion fördert ein tiefgreifendes Verständnis und nachhaltiges Lernen.
Personale- und soziale Kompetenzen sichern und lernen auf Takeshis Castle
Stundenbeginn
Nach einem offenen Stundenbeginn wird in vier Gruppen der Aufbau erledigt. Der Geräteführerschein, der dafür sorgt, dass die Sicherheitsvorkehrungen und Regeln beim Aufbau befolgt werden können, sollte bereits vorhanden sein, so dass ein sicherer Aufbau gewährleistet ist.
Die Gestaltung des Parcours sollte der Altersgruppe angemessen sein. Für jüngere SuS empfiehlt sich ein einfacher Parcours aus Kästen, Weichbodenmatten und mit einem Bereich als Versteck. Ein möglicher Parcours könnte so aussehen:
4 Gruppen bauen auf:
- Linker Kastenaufbau
- Mittlerer Kastenaufbau
- Rechter Kastenaufbau
- Kleine Matten
- Die drei großen Matten werden anschließend von allen Gruppen aufgebaut
- 2-3 umgedrehte kleine Kästen mit Weichschaumbällen die hinter den Bänken platziert werden
Foto: Stefan Eigel; Bildinhalt: Aufbau wie oben beschrieben.
Erwärmung
Fangspiel unter Einbindung der Aufbauten. Fänger dürfen die Matten nicht betreten. Variationen bei den Spielregeln sind möglich und die Anzahl der Fänger kann variiert werden.
Bsp.: Spielanleitung für Klammerfangis
Einführung:
Klammerfangis ist ein Fangspiel, das sowohl die Geschicklichkeit als auch die Schnelligkeit der Spieler fördert. In diesem Spiel geht es darum, so viele Klammern wie möglich von den anderen Spielern zu stehlen, während man versucht, die eigene Klammer zu verteidigen.
Materialien:
- Eine Klammer pro Kind. Die Hälfte der Klammern ist rot, die andere Hälfte blau. Mit diesen beiden Farben werden am Ende des Spiels zwei Zufallsgruppen gebildet.
Spielregeln:
- Jedes Kind erhält eine Klammer, die es gut sichtbar am Rücken seiner Kleidung befestigen muss. Die Klammer sollte so platziert werden, dass sie leicht zugänglich ist.
- Die Spieler bewegen sich frei im Spielbereich um den bereits stehenden Aufbau.
- Ein Spieler kann versuchen, die Klammer eines anderen Spielers zu stehlen, indem er sie greift und dann an sich klammert.
- Der Spieler, dem die Klammer gestohlen wurde, darf versuchen, sie zurückzuerobern, indem er sie wieder ergreift, oder die Klammer eines anderen Kindes stiehlt.
- Das Spiel läuft über eine festgelegte Zeit oder bis eine vorher bestimmte Anzahl von Klammern von einem Kind gestohlen wurden.
Spielziel: Das Ziel des Spiels ist es, am Ende die meisten Klammern zu sammeln, indem man sie von anderen Spielern stiehlt und gleichzeitig seine eigene(n) Klammer(n) verteidigt.
Ende des Spiels:
Nach dem letzten Durchgang des Spiels werden die Klammern wieder an die SuS verteilt. Dadurch werden zwei Mannschaft gebildet. Die SuS mit einer roten Klammer bilden ein Team, die mit einer blauen Klammer bilden das zweite Team.
Nach der Teambildung werden alle die Klammern am Start von Takeshis Castle in eine Kiste gelegt.
Varianten und Tipps:
- Es kann hilfreich sein, strategisch vorzugehen und sich auf Spieler zu konzentrieren, die viele Klammern gesammelt haben.
- Spieler sollten fair und respektvoll miteinander umgehen, um Verletzungen zu vermeiden.
- Varianten des Spiels können durch Hinzufügen von Hindernissen im Spielbereich oder durch Einführung von Teams entstehen.
Takeshis Castle:
Erarbeitung 1. Durchgang:
Das Spiel wird im 1. Durchgang (beide Gruppen sind 1x Läufer und 1x Werfer) ohne Vorgaben und ohne Zielformulierungen gespielt.
Die Spielregeln Takeshis Castle werden erklärt
Spielregeln:
- Das Spiel besteht aus zwei Mannschaften: Werfer (rote Klammern) und Läufer (blaue Klammern).
- Die Läufermannschaft versucht je Lauf eine Klammer durch den Parcours zu bekommen, ohne von der Werfermannschaft mit den Weichschaumbällen abgeworfen zu werden. Ein Läufer, der getroffen wird, muss mit Klammer zurück an den Start um einen weiteren Versuch zu starten.
- Gespielt wird auf Zeit in zwei Durchgängen. Ein Durchgang dauert 2-4 Minuten. Nach dem 1. Durchgang werden die Läufer zu Werfern und Werfer zu Läufern. Die Mannschaft mit den meisten Punkten gewinnt.
- Wenn ein Läufer den Parcours ohne getroffen worden zu sein durchquert hat, legt er die Klammer in die Kiste am Ziel.
- Die Läufer können starten, wann sie wollen, hintereinander, oder miteinander.
- Alle Hindernisse müssen überwunden werden. Sie dürfen auch als Deckung genutzt werden.
- Das Abwerfen der Läufer ist nur hinter den Bänken erlaubt. Die Bälle müssen von den Werfern, ohne die Läufer zu behindern, zurückgeworfen oder zurückgeholt werden.
Reflexion der beiden 1. Durchgänge:
Nach den ersten beiden Durchgängen wird für die Durchführung der Reflexion ein Sitzkreis gebildet
In der Reflexion soll es schwerpunktmäßig darum gehen, die Erfahrungen der Schülerinnen und Schüler zu besprechen und mögliche Verbesserungen für zukünftige Durchführungen zu identifizieren. Außerdem ist es erstrebenswert einen Transfer auf andere Lebensbereiche ziehen zu können.
In diesem Unterrichtsbeispielwird exemplarisch ein Bereich der prozessbezogenen Kompetenzen als Reflexionsschwerpunkt gewählt. Andere Schwerpunktsetzungen im Folgenden genannt.
Schwerpunktsetzung Teamarbeit:
- Indikatoren:
- Effektiv in einem Team arbeiten können, indem man Verantwortung übernimmt und konstruktiv zur Zielerreichung beiträgt.
- Flexibilität zeigen und sich an verschiedene Teamrollen anpassen können.
- Konflikte konstruktiv lösen und gemeinsame Lösungen finden.
Bezogen auf die beschriebenen Kompetenzen können folgende Impulsfragen gestellt werden.
Zusammenarbeit und Teamarbeit:
- Wie habt ihr als Team zusammengearbeitet, um das Spiel zu lösen?
- Welche Strategien habt ihr verwendet, um gemeinsam zu arbeiten?
- Wie habt ihr euch gegenseitig unterstützt?
2. Durchgang:
Nach der Zwischenreflexion werden zwei weitere Durchgänge gespielt. Die beiden Gruppen wechseln dabei die Rollen. Werfer werden Läufer und Läufer werden Werfer.
Die SuS bekommen den Auftrag darauf zu achten, inwieweit die besprochenen Regeln und Umgangsformen eingehalten werden.
Abschlussreflexion:
Für die Abschlussreflexion soll ein Vergleich der beiden Durchgänge stattfinden. Insbesondere der Transfer auf andere Situationen steht hier im Vordergrund.
Um den Fokus gezielt zu setzten, bieten sich Satzanfänge an, die SuS nutzen können.
Mögliche Satzanfänge:
- Im zweiten Durchgang haben wir als Team besser zusammengearbeitet, weil ...
- Dieses Mal hat uns geholfen, dass wir uns vorher darauf geeinigt haben, dass ...
- Eine Sache, die wir beim nächsten Mal noch verbessern könnten, ist ...
- Im Vergleich zum ersten Durchgang war es heute leichter, weil ...
Stundenende:
Abbau:
- Die vier Gruppen, bauen die Geräte ab, die sie auch aufgebaut haben.
- Auf die Regeln, die beim Geräteführerschein gelernt wurden, achten.
Abschlussspiel:"Wäscheklammer-Balancieren"
Materialien:
- Eine Wäscheklammer für jeden Spieler
Spielanleitung:
- Jeder Spieler erhält eine Wäscheklammer und sucht sich einen freien Platz in der Halle.
- Das Ziel des Spiels ist es, die Wäscheklammer auf der Spitze eines Fingers balancieren zu lassen, ohne dass sie herunterfällt.
- Der Spielerleiter gibt verschiedene Bewegungen mit dem Arm vor, z.B. Arm nach Außenstrecken, Arm beugen, Hand auf den Boden legen, …
- Die Wäscheklammer darf nicht festgehalten, oder aufgefangen werden.
- Fällt die Wäscheklammer das dritte Mal herunter, legt sie das Kind in die Kiste und geht sich umziehen.
Weitere mögliche prozessbezogene Kompetenzen bei Takeshis Castle:
Im Folgenden werden weitere mögliche Schwerpunkte aus dem Bereich der prozessbezogenen Kompetenzen aufgelistet, so dass der Stundeninhalt Takeshis Castle in unterschiedlichen Variationen genutzt werden kann.
Kommunikationsfähigkeiten:
- Indikatoren:
- Klar und deutlich kommunizieren können.
- Aktiv zuhören und auf die Aussagen anderer eingehen.
- Sich angemessen und respektvoll ausdrücken, sowohl verbal als auch nonverbal.
Selbstmanagement:
- Indikatoren:
- Die Fähigkeit besitzen, Zeit effektiv zu planen und Ressourcen zu managen.
- Selbstmotivation und Eigenverantwortung zeigen.
- Die Fähigkeit haben, mit Stress umzugehen und sich selbst zu organisieren.
Empathie und soziale Sensibilität:
- Indikatoren:
- Die Perspektiven anderer verstehen und einfühlsam darauf reagieren können.
- Sensibel für die Gefühle und Bedürfnisse anderer sein.
- Die Fähigkeit besitzen, in sozialen Interaktionen angemessen zu reagieren und zu unterstützen.
Konfliktlösungsfähigkeiten:
- Indikatoren:
- Konflikte frühzeitig erkennen und konstruktiv ansprechen können.
- Die Fähigkeit haben, alternative Lösungen zu entwickeln und Kompromisse zu finden.
- Sich nicht durch Konflikte entmutigen lassen, sondern konstruktiv damit umgehen.
Verantwortungsbewusstsein:
- Indikatoren:
- Zuverlässig sein und Verpflichtungen ernst nehmen.
- Die Konsequenzen des eigenen Handelns reflektieren und Verantwortung dafür übernehmen.
- Sich für das eigene Handeln rechenschaftspflichtig fühlen und aus Fehlern lernen.
Bezogen auf die oben beschriebenen Kompetenzen können folgende Impulsfragen gestellt werden.
Kommunikation:
- Wie habt ihr miteinander kommuniziert, um eure Ziele zu erreichen?
- Gab es Momente, in denen die Kommunikation herausfordernd war? Wie habt ihr damit umgegangen?
- Warum ist es wichtig, klar und deutlich zu kommunizieren, besonders in einem Team?
Problemlösung:
- Welche Hindernisse oder Probleme habt ihr während des Spiels erlebt, und wie habt ihr sie gelöst?
- Gab es unterschiedliche Ideen, wie ihr die Probleme lösen könntet? Wie habt ihr euch auf eine Lösung geeinigt?
- Warum ist es wichtig, flexibel zu sein und verschiedene Lösungsansätze zu berücksichtigen?
Führung und Zusammenhalt:
- Gab es jemanden im Team, der eine Führungsrolle übernommen hat? Wie hat sich das auf das Team ausgewirkt?
- Wie habt ihr sicherzustellen versucht, dass alle im Team gehört wurden und einbezogen waren?
- Warum ist es wichtig, zusammenzuhalten und sich gegenseitig zu unterstützen, besonders wenn es schwierig wird?
Reflexion und Lernen:
- Was habt ihr aus diesem Teamspiel gelernt?
- Gibt es Dinge, die ihr beim nächsten Mal anders machen würdet? Was wären eure Verbesserungsvorschläge?
- Warum ist es wichtig, sich nach einer Teamaktivität Zeit zu nehmen, um darüber zu reflektieren und daraus zu lernen?
Um den SuS die Reflexion zu erleichtern, sind folgende Satzanfänge möglich:
Zusammenarbeit und Teamarbeit:
- In unserem Team haben wir zusammengearbeitet, indem wir gemeinsam ...
- Eine Idee, die uns geholfen hat, war...
- Wir haben uns gegenseitig unterstützt, indem wir zusammen...
Kommunikation:
- Wenn wir im Team gesprochen haben, haben wir gesagt ...
- Einmal mussten wir uns besonders gut zuhören, als...
- Es ist wichtig, klar zu sprechen, weil...
Problemlösung:
- Als wir auf ein Problem gestoßen sind, haben wir versucht ...
- Wir haben verschiedene Dinge ausprobiert, um das Problem zu lösen, wie zum Beispiel...
- Manchmal muss man flexibel sein und Dinge auf verschiedene Arten probieren, weil...
Führung und Zusammenhalt:
- Jemand hat uns geholfen, indem er/sie ...
- Um sicherzustellen, dass alle im Team mitmachen konnten, haben wir...
- Es ist wichtig, zusammenzuhalten und aufeinander zu achten, weil...
Reflexion und Lernen:
- Ich habe gelernt, dass ...
- Wenn wir es noch einmal machen würden, würden wir vielleicht...
- Es ist gut, darüber nachzudenken, was wir gelernt haben, weil...
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