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Wolfgang Koeppen: Der Tod in Rom (1954)

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Kurzinformation

Die Abbildung zeigt die Fontana della Barcaccia - ein Zierbrunnen auf der Piazza di Spagna vor der Spanischen Treppe in Rom.

1958_Rome_Fountain_Maurice_Luyten.jpg von Maurice Luyten [CC BY 4.0] via Wikimedia

Wolfgang Koeppens Roman Der Tod in Rom – erschienen 1954 – gilt als bedeutendes Werk der Nachkriegsliteratur. Im Zentrum des Romans stehen die zwei deutschen Familien Judejahn und Pfaffrath, die sich in den 1950er Jahren in Rom anlässlich eines Konzertes eines der Söhne wieder treffen. Ihre unterschiedlichen Haltungen zum Nationalsozialismus und dessen Fortwirkung nach dem Ende des Dritten Reiches kommen bei ihren konfrontativen Treffen, ihren Gesprächen und in ihren inneren Monologen zum Ausdruck. Anschaulich stellt Koeppen anhand seines Figurenarsenals vor Augen, wie die Entnazifizierung nach Kriegsende im Verborgenen unterlaufen wird und die NS-Ideologie gefährlich fortwirkt.

In der Hauptfigur Judejahn wird eindrücklich ein von den Nürnberger Gerichten verurteilter, jedoch entflohener Altnazi, ein ehemaligen SS-Kommandeur auf der Flucht mit gefälschten Papieren porträtiert, der seine Heimkehr nach Deutschland plant. Er ist weiterhin dem nationalsozialistischen Gedankengut verfallen und wirkt im Verborgenen als Waffenlieferant für ein arabisches Land. Seine inneren Monologe offenbaren, wie tief die NS-Ideologie in ihm verwurzelt ist und wie diese in der Nachkriegszeit bei derart vom Krieg geprägten Figuren zerstörerisch weiterwirkt.

Sein Schwager Pfaffrath, der sich nach Kriegsende vom NS-Mitläufer zum Christdemokraten gewandelt hat und als Bürgermeister einer Mittelstadt amtiert, soll dem flüchtigen Verwandten eine Rückkehr in die Bundesrepublik ermöglichen.

Diese hierfür geplanten Gespräche in Rom werden von Väter-Söhne-Konflikten flankiert. Judejahns Sohn Adolf sucht Trost im katholischen Glauben und wird Priester, um die Verbrechen seines Vaters Gottlieb Judejahn und die Ansichten seiner ebenfalls weiterhin von der NS-Ideologie überzeugten Mutter Eva stellvertretend zu sühnen; demgegenüber erprobt Pfaffraths Sohn Siegfried wiederum sein Talent als Musiker zur Therapie für sich und zum symbolischen Widerstand gegen die NS-Vatergeneration in seiner avantgardistischen Musikkomposition. Diese sind an die revolutionäre Zwölftonmusik Arnold Schönbergs angelehnt, die als Gegenmodell zum angepassten NS-Musik-Repertoire gilt. Der mit einer Jüdin verheiratete Dirigent Kürenberg fördert ihn, obgleich sein Schwiegervater den NS-Pogromen zum Opfer gefallen ist, an denen die verschiedenen Familienoberhäupter beteiligt waren. Judejahn befeuerte sie aktiv, Pfaffrath wiederum sah zu und duldete sie.

Am Ende des Romans erliegt Judejahn seinen ideologischen Wahn- und Rachevorstellungen und erschießt die jüdische Gattin Kürenbergs stellvertretend für ein vermeintlich jüdisches Barmädchen namens Laura, mit welchem er zuvor Geschlechtsverkehr hatte. Daraufhin bricht er kurze Zeit später körperlich und geistig zerrüttet zusammen und stirbt in den Thermen des Diokletian in Rom.

Textausgabe:

Wolfgang Koeppen: Der Tod in Rom. Roman. Suhrkamp Taschenbuch 241. Stuttgart 1975 (Erstauflage 1954).

Koeppen: „Der Tod in Rom“: Herunterladen [pdf][190 KB]

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