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Kognitive Aktivierung

In den modernen Fremdsprachen muss die Basisdimension der kognitiven Aktivierung um die kommunikative Dimension erweitert werden: lernwirksamer Fremdsprachenunterricht ist sowohl inhaltlich-kognitiv als auch sprachlich-kognitiv aktivierend und erfordert niveaugerechten Input sowie aktive Sprachverwendung. Die kommunikativ-kognitive Aktivierung ist immer dann gegeben, wenn Kommunikation und die Einübung sprachlicher Mittel Hand in Hand gehen, wenn Lernende sich mit anspruchsvollen kommunikativen Formaten beschäftigen oder wenn anspruchsvolle Inhalte im Zentrum der Kommunikation stehen.

zu Item 1.2 Ermittlung von Denkweisen und Vorstellungen

Je besser eine Lehrkraft mit dem Vorwissen und den Präkonzepten ihrer Lernenden vertraut ist, desto eher kann eine Passung gelingen. Außerdem spielen Vorwissen und Präkonzepte für den Spracherwerb insofern eine Rolle, als der Lehrkraft bewusst sein sollte, dass Lernende bestimmte Erwerbsstufen durchlaufen, die durch Unterricht nur bedingt beeinflussbar sind. Außerdem sollte die Lehrkraft beachten, dass der Lernstand von Lernenden ständigen Veränderungen unterworfen ist und Rückschritte Teil des Lernprozesses sind.*
Für den Unterricht ergeben sich daraus einige konkrete Konsequenzen: Das sprachliche Niveau der Materialien und Aufgaben sollte eine möglichst gute Passung zum Sprachstand der Lernenden aufweisen und sie weder unter- noch überfordern. Im Wissen um Erwerbsstufen sollten Lehrkräfte Fehlern - insbesondere im grammatischen Bereich - mit Geduld begegnen, eine korrekte Sprachverwendung erst nach einiger Zeit erwarten und wiederholende Lerngelegenheiten bieten (situative/bedarfsorientierte Spracharbeit). Schon bei der Vorbereitung von Unterricht können diese Prinzipien beachtet werden. Kennt eine Lehrkraft z.B. typische false friends oder Übertragungsmuster aus der Muttersprache der Lernenden, dann kann sie präventive Fehlerkorrektur betreiben.
* processability theory, interlanguage hypothesis

zu Item 1.3. Herausfordernde Aufgaben und Fragen

Im Englischunterricht bieten sich viele Möglichkeiten, Lernende durch Aufgaben und Fragen kognitiv herauszufordern. Gut geeignet dafür sind beispielsweise Methoden wie predicting, speculating, think/write - pair - share oder recall activities. Eine große Herausforderung ergibt sich für Lernende häufig auch bei der Wahrnehmung und Anwendung von neuem oder wenig bekanntem Wortschatz / grammatischen Strukturen bei grundsätzlich inhaltlich ausgerichteter Kommunikation (focus on form: noticing / pushed output). Gleiches gilt für viele weitere Bereiche wie etwa Aussprache- und Sprechtraining, Schulung der Schreibkompetenz oder Umgang mit Texten. Zudem sollten Lernende im Englischunterricht immer wieder mit herausfordernden Lernaufgaben arbeiten (task-based learning). Solche Aufgaben sind gekennzeichnet durch eine gewisse Komplexität und durch einen Outcome, der von Lernenden eine Sprachproduktion verlangt, bei der sprachliche Mittel, Inhalte und skills zusammengeführt werden, die vorher intensiv geübt wurden. Die dabei entstehenden Schülerprodukte können auf der Grundlage von Rückmeldungen überarbeitet werden.  

zu Item 1.4.: Engagement der Schülerinnen und Schüler

Dem Potential zur kommunikativ-kognitiven Aktivierung des Unterrichts entspricht auf Seiten der Lernenden eine kommunikativ-kognitive Aktivität. Diese Aktivität selbst ist nur teilweise beobachtbar. Beim Hören und Lesen kann die Lehrkraft lediglich indirekt, z.B. über die Deutung körpersprachlicher Signale, Rückschlüsse ziehen, in welchem Maße die Lernenden aktiv beteiligt sind. Beim Sprechen und Schreiben hingegen entsteht ein Produkt, zu dem die Lehrkraft direkten Zugang hat. Bei der Frage, inwieweit kommunikative Aktivität zum Spracherwerb beiträgt, muss beachtet werden, dass freie Kommunikation zwar Flüssigkeit verbessern und Motivation steigern kann, schnelle Lernzuwächse über diesen Weg aber nicht zu erwarten sind, weil Lernende in der Regel genau den Wortschatz und die Strukturen verwenden, die sie schon sicher beherrschen. Höhere sprachliche Lernzuwächse ergeben sich dann, wenn Kommunikation und gezieltes Üben kombiniert werden (Vorbereitung der Sprachproduktion im Sinne des task-based learning, pushed output, feedback). Dabei ist allerdings wichtig, dass die Kommunikation weiterhin meaningful bleibt und nicht durch zu viele Vorgaben oder zu ausführliches Feedback (siehe Item 2.1) zum Erliegen kommt.

Tiefenstrukturen des Unterrichts im Fach Englisch: Herunterladen [docx][57 KB]