Inhalt
Axel Grove, ein junger Leichtmatrose, heuert, offenbar wenige Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, auf einem Handelsschiff an, dessen Kapitän sich als der eigene Vater herausstellt. Dieser hatte in den Kriegswirren den Kontakt zu seiner Familie verloren, war aber, wie sich im Laufe des Hörspiels herausstellt, schon zuvor durch eine Betrugsaffäre um sein Kapitänspatent gekommen. Davon, wie von der Verrohung des Vaters in und nach dem Krieg, hat der Sohn bis zum Zusammentreffen auf der Esperanza nichts gewusst. An der Realität des heruntergekommenen und vielfach korrumpierten Kapitäns zerbrechen die Legenden um den nie anwesenden Vater, mit denen der Junge aufgewachsen ist. Auf dem Frachter, der Esperanza, stößt der Sohn im Laufe der Reise auf eine Gruppe von sieben Flüchtlingen, die sich die Überfahrt nach Amerika im untersten Laderaum teuer erkauft haben. Sie glauben, nach einer zweiwöchigen Reise an einem einsamen Abschnitt an der amerikanischen Küste abgesetzt zu werden, sollen jedoch, wie viele Gruppen von Flüchtlingen vor ihnen, auf hoher See von Bord geschafft werden, damit niemand von den Geschäften Groves und seines Steuermannes Bengtsen erfährt. Von diesem Teil der Transporte weiß Axel nichts. Er fühlt sich angezogen von Edna, der Stieftochter eines der Passagiere. Der Kapitän will, aufgerüttelt durch das Wiedersehen mit seinem Sohn, diesmal die Passagiere tatsächlich an die Küste bringen. Da Axel ihnen jedoch den Namen des Schiffes und den Bestimmungshafen genannt hat und sie somit zu einer Gefahr für ihn werden könnten, entschließt er sich, die Passagiere auf einer Sandbank vor der Küste abzusetzen, die kurze Zeit später von der Flut bedeckt sein wird. Als die Barkasse ohne die Flüchtlinge wieder zurückgekehrt ist, verlässt die Esperanza schnell das Gebiet, und die Pläne scheinen aufgegangen zu sein. Erst Stunden später wird klar, dass der von seinem Vater enttäuschte Axel das Schiff mit den Auswandern verlassen hat, um fern von seinem Vater ein anderes Leben als dieser zu führen. Das Hörspiel bricht ab, bevor klar wird, ob es dem entsetzten Kapitän gelingt, noch rechtzeitig wieder zur Sandbank zurückzukehren, um seinen Sohn zu retten, es ist aber nicht mit einem guten Ausgang zu rechnen.
Die Grundidee des Hörspiels, die Quasi-Ermordung illegaler Auswanderer auf einer Sandbank, wurde im Jahr 2001 in einem „Tatort“-Krimi noch einmal aufgenommen und erwies sich als überraschend aktuell. Die aktuelle Flüchtlingsthematik beeinflusst ebenfalls Rezeption und Unterricht.
Textausgabe:
Fred von Hoerschelmann: Das Schiff Esperanza, Ditzingen 1986/2021 (mit Kommentarteil).
Hoerschelmann: „Das Schiff Esperanza“: Herunterladen [docx][147 KB]