Susan Kreller: Schneeriese (2014)
Kurzinformation
Empfehlung für Klassenstufe 8-9
Abb. 1: Susan Kreller © Carlsen Verlag Hamburg
Adrian und Stella, beide 14 Jahre alt, sind Nachbarn und seit ihrer Kinderzeit eng befreundet. Adrian, aus dessen Perspektive „Schneeriese“ erzählt ist, hadert mit seiner außerordentlichen Körpergröße von einem Meter vierundneunzig. Stella geht mit Adrians Sorgen, anders als seine Mutter, entspannt und humorvoll um. Sie ist dadurch zu seiner wichtigsten Bezugsperson geworden. Die enge und vertraute Beziehung der beiden nimmt eine unerwartete Wendung, als Stella sich in Dato, den Sohn der aus Georgien zugezogenen Nachbarsfamilie, verliebt. Adrian, der selbst in Stella verliebt ist, ihr dies aber nie gesagt hat, kann mit dieser Situation nicht umgehen und zieht sich nicht nur von Stella, sondern aus seinem gesamten Sozialleben zurück. Er weist jede Art der Zuwendung von Menschen aus einem Umfeld zurück und erlebt nach anfänglicher Wut eine zunehmende emotionale Erstarrung. An einem besonders kalten Wintertag droht er schließlich buchstäblich den Kältetod zu erleiden. Auf seine physische Rettung folgt ein langsamer, von Rückschlägen begleiteter Prozess der psychischen Genesung sowie eine allmähliche Rückkehr in die soziale Gemeinschaft.
Der Roman zeigt auf eindringliche Weise, wie umstürzend der Protagonist den Verlust der Geborgenheit in seiner mehr oder weniger geschlossenen Kinderwelt und das Konfrontiertwerden mit den sozialen Anforderungen des Erwachsenwerdens erlebt. Dies veranschaulichen unter anderem zahlreiche intertextuelle Bezüge zu Christian Andersens Märchen „Die Schneekönigin“. Weitere Themen des Romans sind die Beziehungen zwischen den Generationen sowie, wenn auch eher als Nebenthema, Fluchterfahrungen.
Herausfordernd und bereichernd zugleich ist für die Leserinnen und Leser die Verbindung der genauen (Selbst-)Beobachtung mit der eingeschränkten Perspektive des Protagonisten, die durch das personale Erzählverhalten erzeugt wird: Adrian ist genervt von allem und allen, nervt selbst aber auch alle, einschließlich seiner selbst. Als literarische Figur leidet Adrian aber nicht, wenn das (im Unterricht) geäußert, untersucht und begründet wird. Er bietet sich vielmehr an für das Lernen am Modell. Das gilt sowohl für die Thematik, also die Nöte der Pubertät, als auch für deren vielschichtige sprachliche und erzählerische Gestaltung in einem Roman über die Pubertät. „Schneeriese“ bietet damit beides: Erziehung durch Literatur und Erziehung zur Literatur.
Textausgabe:
Susan Kreller: Schneeriese. Taschenbuch. Carlsen 2016.
Literaturwissenschaftl. Einordnung & Deutungsperspektiven
Didaktische Hinweise & Vernetzung
Literatur, Textausgaben & mediale Umsetzungen
Kreller: „Schneeriese“: Herunterladen [docx][228 KB]
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