Didaktische Hinweise & Vernetzung
Didaktische Hinweise
Der weitgehend tagebuchähnliche Roman ist für die Behandlung im Literaturunterricht der Mittelstufe besonders geeignet, da er aufgrund der Tagebuchform einerseits identifikatorisch-emotionalen Zugang bietet, denn die Leser werden dadurch eingeladen, Madinas Reflexionen und (Be-)Wertungen ihrer Erlebnisse nachzuvollziehen. Auch das Verhalten der sie umgebenden Menschen (sei es in der Schule oder im Wohnheim oder auf den Behörden) wird von Madina oft sehr kritisch dargestellt und fordert so auch dazu auf, ihre Bewertung(en) auch mal zu hinterfragen. Insgesamt erhalten sowohl Jungen als auch Mädchen unterschiedlicher kultureller Prägung die Möglichkeit, eigene Gedanken/Wertungen sozusagen im Austausch mit Madinas Gedanken und Wertungen zu hinterfragen, zu verstehen und zu erweitern. Die sowohl sprachlich-stilistisch als auch durch das Druckbild verfremdeten Passagen der inneren Traumreise Madinas, die ihren Emanzipationsprozess darstellen und begleiten, entziehen sich einer einfachen Analyse bzw. Dechiffrierung, bieten aber genau deswegen viel Potential für literarisches Lernen und ergänzen so die Analyse der Handlung.
Da die Entwicklung von Madina im Zentrum des Romans steht, bietet es sich an, diese mit geeigneten Methoden zum Thema zu machen. Die Lektüre begleitende Leitfragen könnten etwa lauten: Was erkämpft sich Madina und wie gelingt ihr das? Wer/Was hilft ihr dabei bzw. steht ihr dabei im Weg? Warum? Dabei könnte ein Schwerpunkt auf die Bedeutung von Freundschaft (zu Laura), die erste Liebe (zu Lauras älterem Bruder) sowie die ausschließlich weiblichen Helferfiguren, aber auch auf die Bedeutung von Sprache und schulischem Erfolg gelegt werden.
Da Madina als Protagonistin auch den Umgang mit traumatischen Gewalterfahrungen und -erinnerungen sozusagen stellvertretend durchlebt, könnte auch dies ein Schwerpunkt sein, indem die Faktoren ihres Resilienzerwerbs herausarbeitet: Verarbeiten durch Schreiben, bewusstes Selbststabilisieren in inneren Traumwelten, loyale Freundschaft, Verantwortung für andere übernehmen, gemeinsames Lachen sowie Hilfe bei Erwachsenen suchen und annehmen.
Des Weiteren bietet das Genre des Tagebuchs zahlreiche Möglichkeiten für analytische und gestaltende Aufgabenstellungen, zum Beispiel zur Herausarbeitung des Selbstbilds von Madina und/oder Laura oder auch zur Bewusstmachung der im Roman dargestellten unterschiedlichen Männer – und Frauenperspektiven.
Vernetzung
Der 2022 erschienene Folgeband Dazwischen: Wir (Carl Hanser Verlag München 2022) lädt geradezu dazu ein, zu spekulieren, wie es nach der Rückkehr des Vaters in das Fluchtland für Madina und die zurückgelassene Familie im Ankunftsland weitergeht und dies dann – exemplarisch mit dem Folgeband – abzugleichen und vergleichend zu bewerten.
Textausgabe:
Taschenbuch: Julya Rabinowich: Dazwischen: Ich, Carl Hanser Verlag München 2016.
Rabinowich: „Dazwischen: Ich“: Herunterladen [docx][172 KB]
Weiter zu Vorschläge für die Umsetzung