Vorschläge für die Umsetzung
Der Lektüre kann eine (ggf. fächerverbindende) Einführungsphase vorausgehen (s.o.); es ist aber auch möglich, ausgehend von Titel und Cover des Werks zunächst Vorkenntnisse und Erwartungen an die Lektüre zu sammeln und – z.B. in Form von Fragen auf einem Plakat – festzuhalten. Die Fragen können im Laufe der Unterrichtseinheit ergänzt, modifiziert oder beantwortet werden oder auch offen bleiben. Je nach Umfang und Schwerpunktsetzung der Unterrichtseinheit kann eine Leistungsüberprüfung in Form eines Aufsatzes, etwa der Nacherzählung einer Episode aus der Perspektive einer der Figuren, oder in Form eines Portfolios erfolgen.
Das Vorwort und eventuell auch das erste Kapitel (Vorgeschichte: Tantalidenfluch) können, insbesondere in den unteren Klassenstufen, zunächst übersprungen und gegebenenfalls später gelesen werden. Der märchenartige Beginn des zweiten Kapitels mit dem Ausschluss einer Göttin von einer großen Feier eignet sich für jüngere Kinder gut als Einstieg. Ein szenisches Spiel zur Veranschaulichung des Paris-Urteils könnte folgen. Paul Hühnerfelds Nacherzählung informiert nur teilweise über die Optionen, die Paris von den Göttinnen in Aussicht gestellt werden; weitergehende Informationen müssen von der Lehrkraft ergänzt werden. Ein Schwerpunkt bei der Lektüre des zweiten Kapitels könnte auf dem Motiv des Frauenraubs und dem dadurch vermittelten Frauenbild liegen: Denn hier zeigt sich, dass Frauen eher als Besitz denn als vollwertige Menschen behandelt werden und dass dieses Frauenbild auch vom Erzähler kaum in Frage gestellt wird. Die Textstellen, an denen dies deutlich wird, können gemeinsam identifiziert und die Gründe dafür besprochen werden. Daran könnte sich eine Schreibaufgabe anschließen, in der die (Erzähl-)Haltung von einem moderneren Frauenbild bestimmt ist. Um die Aufgabe zu erleichtern, kann der Anfang vorgegeben werden – z.B. aus der Perspektive von Helena: „Entführt werden? Das war für Frauen in der Antike an der Tagesordnung. Und glaubt bloß nicht, dass es den Griechen bei der ganzen Sache um meine Rettung ging! …“
Ab Kapitel 5 zeigt sich ein differenzierteres Frauenbild, das mittels szenischer oder schreibproduktiver Verfahren erarbeitet werden kann. Zum einen zeigen sich die Göttinnen Thetis, Artemis und Athene ebenso selbstbestimmt und machtbewusst wie die Götter Zeus und Apollo. Darin spiegelt sich die Gleichwertigkeit der „Zuständigkeitsbereiche“ der antiken Göttinnen und Götter. Zum anderen erweist sich aber auch bei den menschlichen Frauen, dass diese ihre Handlungsspielräume zu nutzen verstehen: So gelingt es sowohl Iphigenie als auch Penelope, der Gewalt von Männern mittels Klugheit zu entgehen. Kassandra, jeglichen Handlungsspielraums beraubt, wirkt in ihrer stoischen Haltung gegenüber dem unausweichlichen Tod auf heutige Leserinnen und Leser eher befremdlich, zugleich aber auch stark.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Figur der Klytämnestra: Sie ähnelt in ihrer Unversöhnlichkeit dem Achilles, und an Odysseus mag zunächst die Raffiniertheit erinnern, mit der es ihr gelingt, Agamemnon in die Falle zu locken. Anders verhält es sich jedoch mit der Bewertung ihres Handelns: Während Agamemnon nach antikem Rechtsverständnis seine Pflicht gegenüber der Göttin Artemis erfüllt hat, auch wenn er Frau und Tochter dadurch schweres Leid zugefügt hat, kann Klytämnestra kein göttliches Gebot für die Rechtfertigung ihres Handelns in Anspruch nehmen. Auf zeitgenössische Leserinnen und Leser mag auch dies befremdlich oder sogar ungerecht wirken.
Analog zum Frauenbild lässt sich das Männer-, beziehungsweise das Heldenbild in den Blick nehmen. Thematisiert werden kann auf trojanischer Seite der Gegensatz zwischen dem lebensfrohen, unzuverlässigen Paris und dem ernsthaften, verantwortungsbewussten Hektor. Auf griechischer Seite stehen die Heerführer Agamemnon und Menelaus als eher durchschnittliche Charaktere den Ausnahmegestalten Odysseus und Achilles gegenüber.
Abschließend kann die Aufgabe gestellt werden, eine Lieblingsfigur auszuwählen, diese in einem Bild oder einer Collage darzustellen und die Entscheidung zu begründen.
Textausgabe:
Paul Hühnerfeld: Der Kampf um Troja. München 1956/1986. Bearbeitete Neuauflage nach den Regeln der Rechschreibreform 17. Auflage, 2003.
Hühnerfeld: „Troja“: Herunterladen [docx][194 KB]