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Till Kokorda wird mit 10 Jahren Schüler auf dem Internat Marianum in Wien. In Österreich beginnt nun die Schuljahreszählung wieder neu, die fünfte Klasse der Gesamtschulzeit ist somit die erste Klasse am Gymnasium. Sein Klassenlehrer ab der ersten Klasse ist Bruno Dolinar, dem auf der Schule ein besonderer Ruf vorauseilt. Till wird über eine lange Zeit erleben, dass dieser Ruf begründet ist. Doch zunächst gelingt es Till, unbemerkt zu bleiben. Er reiht sich ein in die Gruppe der Schüler, die computeraffin sind und wird von seinem Klassenvorstand übersehen.
Das ändert sich mit der dritten Klasse. In dieser Zeit freundet sich Till mit Georg, einem Schüler aus der Parallelklasse, an. Sie verbringen zusammen viel Zeit im Computerraum der Schule und beginnen miteinander das Echtzeitspiel „Age of Empire 2“ (AEO2) zu spielen. Bei einem gemeinsamen Skikurs zocken sie die ganze Nacht. Dies wird Tills Klassenlehrer zugetragen. Till erfährt daraufhin, was es heißt, Dolinars Opfer zu sein. In dieser Zeit lassen sich auch Tills Eltern scheiden. Till lebt bei seiner Mutter und erlebt dort große Freiräume, die er für Computerspiele nutzt. Er spielt mehrere Spiele, aber immer mehr nimmt AEO2 Raum ein. Das Spiel wird ihm zum Flucht-, Erlebens- und Bestätigungsraum. Je mehr er sich auf diese Welt einlässt, desto erfolgreicher wird er.
Die vierte Klasse ist bestimmt durch ein einschneidendes Erlebnis: Tills Vater erkrankt an Krebs. Das Verhältnis zwischen Vater und Sohn, das wegen der unterschiedlichen Auffassungen zum Gaming belastet ist, verbessert sich dadurch nur mäßig. Zu einer wirklichen Aussprache kommt es vor dem Tod des Vaters nicht. Dies beschäftigt Till noch lange. Nach dem Tod des Vaters möchte Till das Marianum verlassen, was Bruno Dolinar indes verhindert.
Auch in der fünften Klasse dominiert Dolinar mit seiner autoritären Art den Schulalltag Tills. Doch es wird auch deutlich, dass die Schüler selbst bereit sind, anderen gegenüber ihre Überlegenheit auszuspielen. Das wird in der Behandlung des Musiklehrers manifest. Till selbst schafft es in dieser Zeit, zu einem erfolgreichen und weltweit beachteten Spieler im AOE2-Kosmos zu werden. Auf der „gamescom“ in Köln absolviert er seinen ersten öffentlichen Auftritt.
In der sechsten Klasse werden Till neue Erfahrungsräume eröffnet. Er lernt die vierzehnjährige „Feli“ (Felicité) und ihre Freundin „Fina“ (Josefine) in der Raucherecke kennen. Felis Familie gehört zu den Reichen der Stadt. Sie wohnen in einer Villa mit Garten am Schwarzenberg. Mit den Mädchen kommen Liebe und Drogen in Tills Leben. Was als Freundschaft beginnt, wird für Till bald zu mehr. Je mehr Zeit er mit Feli verbringt, desto wichtiger wird sie ihm. Parallel dazu wechselt er in das drittbeste AOE2-Team der Welt und macht in der digitalen Welt neue, durchaus professionelle, Erfahrungen. Feli nimmt am Wettbewerb „[W]Orte erzählen Geschichte[n]“ teil und schafft es, dass auch Till, gegen den Willen des Dolinars, daran teilnimmt und einen Text über AOE2 verfasst. Sein Text wird von Feli eingereicht, was ihm großen Ärger mit dem Klassenlehrer beschert. Abseits der Schule lernt Till Felis Familie kennen und nimmt zum ersten Mal harte Drogen (MDMA). In diesem Schuljahr wird gesetzlich das Rauchen in der Öffentlichkeit neu geregelt, was in der Schule und auch bei Till selbst für großen Aufruhr sorgt. In den Ferien vermisst Till Feli, die sich nicht bei ihm meldet. Er befürchtet auch, dass sie im neuen Schuljahr die Schule wechseln wird. Am Ende der Ferien verkündet sie ihm jedoch, dass sie bleiben und eine Klasse überspringen wird.
Das siebte Schuljahr Tills ist insgesamt geprägt von seiner stetig wachsenden Verliebtheit in Feli, dem eingeführten Rauchverbot an der Schule und den weitergehenden Diskriminierungen Dolinars. Feli schreibt einen weiteren Text über die Schule, der für große Unruhe sorgt, da er sich dem dort herrschenden Rassismus zuwendet. Till und Feli machen viele Dinge gemeinsam. So gehen sie nach einer Schulfeier zusammen zu einem Schulkameraden Tills. Dort kommt es zum ersten Kuss, den Feli gleich jedoch als Fehler qualifiziert. Sie schreibt Till daraufhin einen Brief, der diesen mehr verwirrt als aufklärt. Dennoch bleiben Till und Feli in der Schule und in der Freizeit oft zusammen, erleben politische Umstürze wie die Ibiza-Affäre gemeinsam. Bruno Dolinar indes deckt Tils Spielerkarriere auf und bestraft ihn für die in der Schule für AOE2 verschwendete Stunden mit Strafarbeit und Freizeitentzug, der auf der Russlandfahrt der Klasse nicht ausgesetzt wird. In diesem Schuljahr besucht Till mit seiner Klasse auch das Konzentrationslager Mauthausen. Feli benutzt Till für einen Schülerstreich, der später indirekt dazu führen wird, dass sie die Schule verlassen muss. In den Ferien besucht Till sowohl Fina als auch Feli an ihren Praktikumsorten. Dabei wird ihm klar, dass er in Feli verliebt ist. Im Anschluss reist er noch zur „gamescom“ nach Köln, wo er zur Spielemesse nach Shanghai eingeladen wird. Er sagt sein Kommen zu.
Gleich zu Beginn der 8. Klasse müssen Feli und Fina die Schule verlassen. Ihnen wird vorgeworfen, Drogen in der Schule genommen zu haben. Dennoch bleibt der Kontakt zu den beiden bestehen. Till wird 18 und erbt von seinem Vater neben Geld auch zwei Wohnungen. Er durchstöbert in der einen Wohnung die Hinterlassenschaften seines Vaters und setzt sich dabei mit dessen Tod auseinander. In der Schule ist er bemüht, den Ansprüchen seines Klassenlehrers zu entsprechen. In der Nacht, in der in Österreich das Rauchverbot in Gaststätten eingeführt wird, feiern Till, Fina und Feli gemeinsam. Am Ende sind nur noch Till und Feli übrig. Till gesteht ihr seine Liebe, Feli küsst ihn. Nun sind sie ein Paar und genießen ihre neue Zweisamkeit. Im Winter besucht Till die Gaming-Messe in Shanghai. Das dortige Turnier gewinnt er mit seinem Team. Als er wieder nach Wien zurückkommt, wird er von Bruno Dolinar zum Aussätzigen erklärt, der nicht mehr Teil der Klassengemeinschaft sei. Till erkrankt und letztlich stellt sich heraus, dass er eine Lungenentzündung hat. Insgesamt läuft der Anfang des Jahres nicht gut für ihn und er bangt um seine Matura. Doch dann bricht im Februar Corona aus. Feli zieht zu ihm und in seiner Wohnung erleben sie den Corona-Lockdown. In dieser Zeit schließt Till die Schule mit der Matura ab. Am Ende steht Till am Anfang seines Lebens, dessen Verlauf ihm noch nicht klar ist. Er begegnet einem ehemaligen Mitschüler, der die Zeit an der Schule und die Ereignisse um Dolinar eher glorifiziert. Tills Antwort darauf ist eindeutig: „Es war die Hölle, du Idiot!“ (S. 365).
Textausgabe:
Taschenbuchausgabe: Tonio Schachinger: Echtzeitalter. Hamburg 2024.
Schachinger: „Echtzeitalter“: Herunterladen [docx][172 KB]