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Konstruktive Unterstützung

(2) Wie gut unterstützt die Lehrkraft die Lernenden beim Wissenserwerb und wie sehr ist die Interaktion zwischen Lehrkraft und Lernenden durch Wertschätzung und Respekt geprägt? (Konstruktive Unterstützung)

Einführung

Im Religionsunterricht zielt konstruktive Unterstützung auf (1) prüfungsrelevante Kompetenzen und Fachwissen, (2) den reflektierten Umgang mit religiösen Ausdrucksformen und (3) religiös-ethische Diskursfähigkeit, die es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, differenziert zu argumentieren und sich begründet zu positionieren. Im konkreten Unterricht zeigt sich konstruktive Unterstützung zum Beispiel in differenzierten Aufgabenstellung und in der Lehrer-Schüler-Interaktion, etwa durch gezielte Fragen und Impulse im Theologisieren mit Schülerinnen und Schüler und in einer an Schüler:innenfragen orientierten Didaktik.

Die konstruktive Unterstützung im Religionsunterricht erstreckt sich auf drei Zielsetzungen. Sie fokussiert - neben (1) der Förderung von prüfungsrelevantem Wissen und Kompetenzen - auf (2) die Kompetenz zum Umgang mit diversen/pluralen religiösen Ausdrucks- und Sprachformen und die Begleitung bei (3) der Entwicklung einer religiös-ethischen Diskursfähigkeit, die es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, differenziert zu argumentieren und sich begründet zu positionieren.1

In der unterrichtlichen Praxis kann sie sich in binnendifferenzierten Aufgabenstellungen mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad und Unterstützungsangeboten zur Förderung einzelner ibK’s (inhaltsbezogener Kompetenzen im Bildungsplan 2016) und pbK‘s (prozessbezogener Kompetenzen) zeigen. Vor allem aber geschieht sie auch in einer – von Wertschätzung und Respekt geprägten – Unterrichtsatmosphäre und in der Interaktion zwischen Lehrkraft und Schülerinnen und Schüler, zum Beispiel durch die Frage- und Impulstechnik, etwa im Theologisieren mit Kindern/Jugendlichen und in einer an Fragen der Schülerinnen und Schüler orientierten Didaktik.2

1 Vgl: Der Religionsunterricht vor neuen Herausforderungen, S. 18.

2 Vgl. für die GS: Knapp, Damaris: Mehr als Nachdenken über theologische Fragen - Theologisieren mit Kindern, in: Loccumer Pelikan 01/2022; IRP: Theologisieren. Lernimpulse für den katholischen Religionsunterricht an Grundschulen. Klasse 1-4 (2021)

Erläuterungen zu den einzelnen Items

Qualität des Feedbacks (Item 2.1)

2.1 Das Feedback, das die Lehrkraft den Schülerinnen und Schülern gibt, ist zum Weiterlernen hilfreich.

Im Religionsunterricht umfasst das Feedback der Lehrkraft methodisch-didaktische Unterstützung, formative Rückmeldungen und die Bewertung schriftlicher und mündlicher Leistungen. Zentral ist auch der unterrichtliche Diskurs, bei dem Schülerinnen und Schüler als Theologinnen und Theologen ernst genommen werden. Durch eine geschickte Impulstechnik fördern  Lehrkräfte das eigenstände Theologisieren und Philosophieren und die Auseinandersetzung mit theologischen Konzepten und  geben den Schülerinnen und Schülern Impulse zur Weiterentwicklung der eigenen theologischen Vorstellungen. Dabei wird auf Perspektivwechsel, Respekt und die Weiterentwicklung gelungener Ansätze geachtet.

Das Feedback der Lehrkraft geschieht zunächst – wie in allen Fächern - in der methodisch-didaktischen Unterstützung z.B. in Form einer lernförderlichen Fehlerkultur, in auch formativen Rückmeldungen zum Lernstand und im Feedback zu schriftlichen und mündlichen Leistungen.
Im Religionsunterricht ist jedoch vor allem der unterrichtliche Diskurs für den Kompetenzerwerb konstitutiv und somit auch die Gesprächsführung durch die Lehrkraft zentraler Ort des Feedbacks.
Die Religionslehrkraft nimmt die Schülerinnen und Schüler als Theologinnen und Theologen ernst. Sie regt im Theologisieren und Philosophieren mit Kindern oder Jugendlichen die Schülerinnen und Schüler an, ihre eigenen theologischen Vorstellungen adäquat zu formulieren (Theologie von Schülerinnen und Schülern),sie durch an ihrem Lernprozess orientierte Impulse weiterzuentwickeln (Theologie mit Schülerinnen und Schülern) und sich mit theologischen Konzepten der eigenen und fremden Konfessionen und Religionen auseinanderzusetzen (Theologie für Schülerinnen und Schüler). Den Eigenleistungen des Theologisierens der Schülerinnen und Schüler begegnet sie mit Interesse und Respekt.
Dieses unterrichtliche Nachdenken über Religion(en), Glauben und über ethische Herausforderungen ist auch grundlegend von der Fähigkeit geprägt, mehrere Perspektiven einzunehmen und zu reflektieren (Perspektivwechsel). Somit ist es wesentlicher Teil des Feedbacks der Lehrkraft, solche Perspektivwechsel anzuregen oder bewusst zu machen und gegebenenfalls durch klare Rückmeldungen und methodisch-didaktische Hilfen zu unterstützen, gelungene Ansätze positiv zu würdigen und durch geschickte Aufgabenstellungen weiterzuentwickeln/zu vertiefen.

Individuelle Unterstützung im Lernprozess (Item 2.2)

Die Lehrkraft unterstützt die Schülerinnen und Schüler individuell in ihrem Lernprozess.

Die individuelle Unterstützung im Religionsunterricht erfolgt durch binnendifferenzierte Aufgaben und systematischen Kompetenzaufbau sowie im Diskurs. Lehrkräfte fördern durch wertschätzende Gesprächsführung, Spiegeln, Nachfragen und Impulse zum Perspektivwechsel die Reflexion und Artikulation religiöser Vorstellungen. Die Impulse zeichnen sich durch Multiperspektivität und Offenheit aus, um die Entwicklung der Dialog-, Urteils- und Ausdrucksfähigkeit zu fördern.

Die individuelle Unterstützung umfasst im Religionsunterricht ebenfalls zwei Ebenen: In methodisch-didaktischer Hinsicht zeigt sie sich durch binnendifferenzierte Aufgabenstellungen in kognitiven Lernprozessen auf Unterrichtsebene sowie im systematischen Kompetenzaufbau durch aufbauendes Lernen. Hierzu tragen vor allem auch Wiederholungs- und Übungsphasen bei.
Aber auch im unterrichtlichen Diskurs im Plenum oder in der Kleingruppe geschieht individuelle Unterstützung. So nimmt die Lehrkraft die Äußerungen der einzelnen Schülerinnen und Schüler wertschätzend auf und regt durch ihre kommunikationsförderliche Gesprächsführung, durch Spiegeln, Nachfragen und weiterführende Impulse (z.B. Anregung zum Perspektivwechsel, Nachfragen, wie die Schülerinnen und Schüler zu der jeweiligen Position gekommen sind, Scaffolding, Einnehmen einer Gegenposition, inneren Diskurs ...) zum Artikulieren eigener religiöser Vorstellungen, zum Perspektivwechsel und zu vertiefter Reflexion der eigenen Position und der erarbeiteten Inhalte an.
Die Impulse der Lehrkraft zeichnen sich durch Multiperspektivität und Offenheit für die weitere Auseinandersetzung der Schülerinnen und Schülern aus, damit diese ihre Position weiterentwickeln und ausdifferenzieren können und somit in der Entwicklung der religiösen Dialog-, Urteils- und Ausdrucksfähigkeit gefördert werden.

Wertschätzung und Respekt (Item 2.3)

Die Lehrkraft begegnet den Schülerinnen und Schülern mit Wertschätzung und Respekt.

Für Lernprozesse im Religionsunterricht ist eine vertrauensvolle, wertschätzende und empathische Atmosphäre zentral. Die Lehrkraft behandelt alle Schüler freundlich und unabhängig von deren Hintergrund oder religiöser Identität. Sie bleibt mit klarer, perspektivischer Position transparent und anfragbar, wobei diese Position immer begründbar und nachvollziehbar sein muss.

Für Lernprozesse im Bereich konstitutiver Rationalität ist eine Atmosphäre des Vertrauens, der Wertschätzung und Empathie zwischen Lehrkraft und Schülerinnen und Schülern unerlässlich. „Religion“ wird nicht nur als Unterrichtsinhalt erschlossen, sondern der inhaltliche Anspruch wird auch im Umgang miteinander deutlich.
Somit behandelt die Lehrkraft alle Schülerinnen und Schüler gleich freundlich und nimmt sie unabhängig von ihrem individuellen Hintergrund und religiöser Identität bzw. Sozialisation als Menschen mit ihren je eigenen Fragen und Erfahrungen wahr. Gleichzeitig bleibt sie mit einer klaren eigenen Positionierung transparent und anfragbar, wobei sich diese Positionierung immer als perspektivisch ausweist und nicht als exklusiv, also begründbar und nachvollziehbar sein muss.

Klassenklima (Item 2.4)

Die Schülerinnen und Schüler begegnen einander und der Lehrkraft mit Wertschätzung und Respekt.

Eine achtsame und wertschätzende Interaktion bildet die Basis des Religionsunterrichts. Alle Beteiligten bringen ihre Positionen ein, respektieren und hinterfragen konstruktiv die Aussagen anderer. Die Heterogenität in religiösen und ethischen Fragen wird als Bereicherung gesehen, und unterschiedliche Meinungen werden mit Respekt behandelt.

Eine von gegenseitiger Achtsamkeit und Wertschätzung geprägte Interaktion zwischen den Schülerinnen und Schülern untereinander sowie gegenüber der Lehrkraft bildet im Religionsunterricht die Basis für den unterrichtlichen Diskurs, in dem alle am Lernprozess Beteiligten ihre Positionen einbringen. Dabei werden die Aussagen der Mitschülerinnen und -schüler respektiert, können aber auch wertschätzend kritisch-konstruktiv hinterfragt werden. Die Heterogenität der Lerngruppe in religiösen und ethischen Fragen wird von den Schülerinnen und Schülern als Bereicherung, nicht als Bedrohung wahrgenommen. Äußerungen von Mitschülerinnen und -schüler begegnen sie somit mit Respekt, auch dann, wenn diese von der eigenen Meinung abweichen.


Vgl. für die GS: Knapp, Damaris: Wie Kinder Lerngespräche verstehen. Sinnkonstruktionen und Bedeutungshorizonte, aus: Gläser, Eva / Poschmann, Julia / Büker, Petra / Miller, Susanne (Hgg.): Reflexion und Reflexivität im Kontext Grundschule. Perspektiven für Forschung, Lehrer:innenbildung und Praxis. Bad Heilbrunn 2022, 176-181.