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Konfessionen als theologische Herausforderung

Über Jahrhunderte hinweg wurde der Begriff „Konfession“ vor allem als Berufung auf das eigene Bekenntnis und damit als Abgrenzung gegenüber anderen Konfessionen verwendet, die zumeist – wie z.B. in der Reformation – durch Kirchentrennungen aufgrund von Glaubensstreitigkeiten entstanden. Die konfessionelle Identität war eine Identität der Profilierung, die zumeist im konkreten Zusammenleben der Konfessionen zu engen konfessionellen Milieus und zu Abgrenzung von den (vermeintlich) Andersgläubigen führte (Pemsel-Maier, 2018).

In der (katholischen) Theologie wurde die Frage, wie der Mensch das Heil erlangen könne, in der Regel mit der auf Cyprian und Origenes zurückgehenden Aussage „Außerhalb der Kirche kein Heil“ (,,Extra ecclesiam nulla salus") beantwortet und begründet somit den Wahrheitsanspruch der katholischen Kirche (Wandinger, 2023). So heißt es zum Beispiel in der Enzyklika „Quanto conficiamur moerore“ von Pius IX aus dem Jahr 1863:

„Aber wohlbekannt ist auch der katholische Lehrsatz, daß nämlich niemand außerhalb der katholischen Kirche gerettet werden kann und daß diejenigen, die der Autorität und den Definitionen derselben Kirche trotzig widerstehen und von der Einheit dieser Kirche und vom Römischen Bischof, dem Nachfolger des Petrus, dem vom Erlöser die Wache über den Weinberg übertragen wurde, hartnäckig getrennt sind, das ewige Heil nicht erlangen können.“ DH 2867 (Denzinger-Hünermann, 2017)

Erst in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts entwickelt sich auch innerhalb der katholischen Kirche – vor allem in Folge des Zweiten Vatikanischen Konzils mit dem Ökumenedekret Unitatis redintegratio (UR, 1964) – der ökumenische Dialog, der „Einheit in Vielfalt“ den gemeinsamen Glauben betont und die jeweils Andersheit anderer Konfessionen auch als Bereicherung erlebt (Pemsel-Maier, 2018).

Die heutige Theologie fokussiert nicht mehr auf Abgrenzung und Wahrheitsanspruch als Konfessionsmarker und sondern beschreibt Konfessionen als „Bündelungsapparaturen für Ausdrucksformen der christlichen Religion“ (Dirschel & Hailer, Nach Ausdrucksformen christlicher Religion fragen. Dialekte und Gestalten des Christentums., 2021). Religionen und Konfessionen sind – in diesen Ansätzen – zu verstehen wie Sprachen, allerdings ist „die Sprache namens christlicher Religion (ist) nun von der Art, dass sie in einer ganzen Reihe von Dialekten gesprochen wird, die den Konfessionen vergleichbar sind.“ (Dirschel & Hailer, Nach Ausdrucksformen christlicher Religion fragen. Dialekte und Gestalten des Christentums., 2021)

So verstanden ist das „Christsein (…) ein konkreter Lebensvollzug unter Einsatz einer endlichen Anzahl von Ausdrucksformen.“ (Dirschel & Hailer, Nach Ausdrucksformen christlicher Religion fragen. Dialekte und Gestalten des Christentums., 2021) und die eigene Konfession muss dann weniger die „einzig richtige“ Weise des Christseins verstanden werden, sondern vielmehr als eine Art „religiöse Muttersprache“, die – neben einer konfessionsspezifischen Lehre – ein Bündel von religiösen Ausdrucksformen vereinigt, die tradiert werden, um den Menschen zu helfen, ihre Beziehung zum Transzendenten, zu Gott zu leben.

Damit verändert sich auch die Bedeutung des Dialogs der Konfessionen und auch der Religionen. Er ist in diesem Verständnis nicht mehr das Beharren auf Wahrheit, sondern eine gemeinsame Annäherung an das transzendente Geheimnis Gottes. Der/das jeweils Andere/Fremde in der anderen Konfession ist Impuls zur Weitung des eigenen Gottesbildes. Nur in der Offenheit für die anderen, vielleicht fremden Ausdrucksformen anderer Konfessionen wird der Mensch sensibler für die Unverfügbarkeit Gottes und vertieft in der Auseinandersetzung mit dem jeweils anderen seine eigene religiöse Identität.

In einem Dialog der Konfessionen – sei er in der Schule oder im kirchlichen Kontext – gilt es somit darum, das Bewusstsein zu schärfen, dass die – mehr oder weniger – vertrauten Formen religiöser Praxis nur eine mögliche Ausdrucksform der christlichen Religion neben anderen sind, „eben nur ein Dialekt (…) und mit den anderen dieselbe Sprache zu teilen“ (Dirschel & Hailer, Nach Ausdrucksformen christlicher Religion fragen. Dialekte und Gestalten des Christentums., 2021)

Religionspädagogische Grundlagen (nicht barrierefrei): Herunterladen [docx][150 KB]