Zur Hauptnavigation springen [Alt]+[0] Zum Seiteninhalt springen [Alt]+[1]

M 3: Emma und die Konfirmationsurkunde

Heute ist Omatag … Emma und ihre Mutter machen sich direkt nach der Schule auf und fahren zu Oma, die schon mit einem leckeren Mittagessen auf sie wartet. In Omas Wohnzimmer sieht es heute mehr als chaotisch aus: der ganze Wohnzimmertisch ist verschiedenen alten Gegenständen bedeckt: mit alten Bildern, Schulbüchern, Schulheften, Postkarten … alles ist vergilbt und scheint aus Omas Jugend zu stammen. Nach dem Essen schaut Emma auf den Tisch und fragt: „Oma, was ist das hier alles?“

Oma: Oh, das ist eine Kiste, die ich vorhin im Keller gefunden habe. Es sind alles Sachen aus meiner Jugend und ich wollte gerade noch mal schauen, was da so bei ist … Du kannst mir gerne dabei helfen, wenn du möchtest.

Emma: Oh gerne … das klingt spannend …

Und sie beginnt die Kiste auszuräumen und die Sachen durchzuschauen… Omas Schulhefte und ein Zeugnis aus der 6. Klasse.

Emma: Oma! Du hattest ja in Mathe eine 4! Und Mama meckert schon, wenn ich mal eine 3 schreibe! Warum hat mir das niemand gesagt?

Oma grinst: Na gut, bei der nächsten 3 kannst du dich dann ja auf mich berufen …

Emma schaut weiter – alte Postkarten, zu denen Oma immer eine Geschichte zu erzählen weiß. Schulhefte, eine Puppe, ein alter Teddy, ein Poesiealbum mit den Einträgen von Omas Freundinnen vor 70 Jahren. Als die Kiste fast leer ist, findet Emma noch ein gerahmtes Bild. Seltsam sieht es aus – mit einem Kreuz und einer Schrift, die Emma nur schwer entziffern kann. Eigentlich eher hässlich … und so möchte sie es schon weglegen.

Oma: Oh! Meine Konfirmationsurkunde! Ich habe schon mehrfach danach gesucht, aber dass sie in dieser Kiste ist, hätte ich nicht gedacht … Das ist ja toll! Vielleicht hänge ich sie wieder irgendwo auf.

Emma ist überrascht: Aber das Bild ist doch wirklich nicht schön! Da gibt es viel schönere Sachen! Ich kann dir gerne auch was malen. Aber das musst du doch wirklich nicht aufhängen!!!

Oma: Es geht mir nicht darum, ob sie schön ist oder nicht. Und natürlich freue ich mich über deine Bilder! Aber die Konfirmationsurkunde ist wirklich wichtig für mich!

Emma: Äh … offen gestanden habe ich nicht wirklich eine Ahnung, worum es dabei geht… Konfirmation – das ist doch dieses Fest, das man in der 8. Klasse hat, oder? Also ich weiß noch nicht, ob ich das später mal mache. Es muss echt nicht sein. Aber warum gibt es dafür eine Urkunde?

Oma: Wir hatten damals zwei Jahre lang Konfirmationsunterricht beim Pfarrer, in der wir viele biblische Texte und viele Gebete gelernt haben. Und am Ende gab es die feierliche Konfirmation in der Kirche. Wir wurden gesegnet und jeder bekam eine solche Urkunde. Schau mal: Hier stehen mein Geburtsdatum und das Datum meiner Taufe. Und dann eben das Datum meiner Konfirmation und die Kirche, in der ich konfirmiert wurde…

Emma: Ok … Interessant. Da steht ja auch ein Bibelspruch. Boah, der ist aber schwer zu lesen!

Oma: Ja, das ist mein Konfirmationsspruch.

Emma: Konfirmationsspruch???

Oma: Ja, bei der Konfirmation erhält jeder Konfirmand einen „Konfirmationsspruch“. Früher hat der Pfarrer ihn für uns ausgewählt, heute können die Jugendlichen ihn manchmal sogar selbst aussuchen.

Ich kann meinen auswendig: „Lasset uns halten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat“ (Hebr 10,23, Lutherübersetzung 1912)

Emma: Auswendig? Warum denn das? Und warum diese komische Sprache?

Oma: Die komische Sprache ist einfach nur eine ältere Übersetzung der Bibel als die, die ihr vielleicht im Reliunterricht verwendet. Warum ich ihn auswendig kann? Du wirst es vielleicht nicht glauben, aber er hat mich mein ganzes Leben über begleitet. Er erinnert mich immer wieder daran, dass Gott treu ist und mich in meinem ganzen Leben begleitet.

Emma: Das glaubst du echt? Spannend … ich habe da noch nie drüber nachgedacht!

Oma: Ja, das glaube ich nicht nur, sondern das ist für Opa und mich auch sehr wichtig. Wir lesen jeden Tag zusammen in der Bibel und beten auch gemeinsam – auch für dich und deine Familie.

Emma: Echt? Das hätte ich nicht gedacht, dass der Glaube für dich so wichtig ist.

Oma: Doch, … es mag vielleicht für dich erstmal komisch klingen, so typisch „Oma“ eben. Aber der Glaube ist mir wirklich sehr, sehr wichtig. Du weißt ja, dass ich mich auch in der Kirchengemeinde engagiere – ich bin im Kirchengemeinderat, ich besuche alte Menschen im Pflegeheim und macht Hausaufgabenhilfe für Flüchtlingskinder. Der Glaube und solches Engagement tragen mich in meinem Leben. Für all das steht irgendwie auch diese alte Konfirmationsurkunde mit diesem scheinbar alten Spruch aus der Bibel … Und deswegen freue ich mich so, dass ich sie wiedergefunden habe…

Emma wird nachdenklich: Interessant … Und was ist für mich so wirklich wichtig???

Oma: Tja… vielleicht möchtest du darüber auch mal nachdenken, oder?

Quelle: (c) Interview mit einer 82-jährigen evangelischen Christin (privat), Interviewer: Angelika Scholz

Aufgaben

  1. Beschreibe die „Konfirmationsurkunde“ von Emmas Oma!
  2. Arbeite aus dem Text heraus, welche Bedeutung der Glaube für die Oma von Emma hat!
  3. Emma fragt sich am Ende des Gesprächs mit der Oma: „Und was ist für mich so wirklich wichtig???“. Was wäre deine Antwort?

Unterrichtsmodul 1 (nicht barrierefrei): Herunterladen [docx][655 KB]