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Didaktischer Kommentar

Kompetenzen

Ziele

Wer sich heute in der Kirche als gläubiger Mensch beheimatet versteht oder verstehen will, sieht sich mehreren Herausforderungen ausgesetzt und steht unter erhöhtem Rechtfertigungsdruck. Eine Rechtfertigung der eigenen Position ist sowohl nach außen verlangt, auf dem Hintergrund der kritischen Anfragen an Kirche, als auch nach innen, wenn es darum geht, den eigenen persönlich profilierten Glauben innerkirchlich zu verorten. Im Spannungsfeld von persönlichem Glauben und kirchlicher Gemeinschaft stellen sich verschiedene Fragen. Bin ich überhaupt auf eine Gemeinschaft angewiesen, wenn ich den eigenen Glauben leben will? Welche Gemeinschaft kommt dann meinen eigenen Bedürfnissen am ehesten entgegen? Wie weit kann das Spektrum von kirchlichen Gemeinschaften bzw. Gruppierungen gehen, so dass noch eine Verständigung zwischen diesen Gruppen darüber möglich ist, was christlicher oder gar katholischer Glaube sein kann? In allen Fragen scheint immer auch die Frage nach der Freiheit auf. Wie frei kann ich den eigenen Glauben leben? Und wie muss Freiheit im Glauben und in der Kirche verstanden werden? Das sind auch Fragen, die Schülerinnen und Schüler an der Schwelle zum Erwachsenenalter beschäftigen.

In einem ersten Schritt (in der ersten Doppelstunde) werden anhand eines Fragebogens die Möglichkeiten gesichtet, wie Menschen sich ihres eigenen Glaubens versichern und bestätigen können. Dafür werden die vier Bestätigungsformen des Glaubens herangezogen, die die französische Soziologin Danièle Hervieu-Léger1 vorgeschlagen hat. Sie unterscheidet zwischen einer institutionellen, einer kommunitären, einer dialogischen und einer solipsistischen Form der Glaubensbestätigung. Dieses Konzept kann von den Schülerinnen und Schülern verwendet werden, um sich selbst in der eigenen Beziehung zu Glaube und Kirche zu beschreiben. Es dient aber auch dazu, christliche bzw. kirchliche Gruppen daraufhin zu untersuchen, welche konkrete Angebote sie ihren Mitgliedern machen. Das ist Thema der nächsten Doppelstunde.

Ziel dieser zweiten Doppelstunde ist es, sich einen ersten Überblick über das breite Spektrum an christlichen und kirchlichen Gruppierungen zu verschaffen und mit Hilfe von KI eine Gruppe zu suchen, die den eigenen Bedürfnissen zu entsprechen verspricht. Zudem lässt sich das jeweilige Profil der Gruppen mit Hilfe der Bestätigungsformen des Glaubens näher bestimmen. Auch in diesem Schritt ist intendiert, dass sich ein Eindruck von der Vielfalt nicht nur individueller Glaubensweisen, sondern auch christlicher Gruppen einstellen kann, um dem Vorurteil entgegenzuwirken, bei der Kirche, vor allem der katholischen, handle es sich um einen großen monolithischen Block, in dem nur eine bestimmte Weise des Glaubens und Glaubenslebens praktiziert werden. Gerade die Gegensätzlichkeit, wie sie in einem Video über die Reformversuche der Kirche zutage tritt, in dem eine junge Vertreterin der Initiative Maria 1.0 und ein homosexueller Teilnehmer des Synodalen Wegs versuchen ins Gespräch zu kommen, evoziert aber weitere Fragen.

Eine erste wird in der dritten Doppelstunde verfolgt. Es fragt sich, wie viel Pluralität an Lebens- und Glaubensformen die (katholische) Kirche verträgt bzw. zulässt. Nach einer Begriffsklärung von Pluralität soll dann nach dem Verbindenden, dem „gemeinsamen Nenner“ oder dem Katholischen im Sinne des Allumfassenden gefragt werden. Ob dies beispielsweise in einem moralischen Universalismus (Hans Joas) oder in der gemeinsamen (ökumenischen) Anerkennung und Bewältigung von Vulnerabilität (Andreas Riedl) zu suchen ist, kann von den Schülerinnen und Schülern offen diskutiert werden.

Die Fragen nach der individuellen Glaubenspraxis im Spannungsfeld von Individuum und Gemeinschaft so wie die Frage nach der Möglichkeit von Vielfalt (religiöser Gruppen) in einer (kirchlichen oder zumindest christlichen) Einheit können im Rahmen der großen Frage nach der Freiheit gestellt werden. Im Zusammenhang der epochalen Herausforderungen, die die Moderne eben auch an die Kirche stellt, muss danach gefragt werden, ob bzw. in welcher Weise eine Kirche der Freiheit überhaupt möglich ist. Von einer Antwort darauf dürfte die Zukunftsfähigkeit der Kirche entscheidend abhängen. In dieser Doppelstunde geht es daher hauptsächlich um die Erhebung von Merkmalen eines Konzepts von Freiheit, das der Spannung von Individuum und Gesellschaft gerecht werden kann. Mit Simone Weil und Judith Butler werden zwei Philosophinnen herangezogen, die mit ihren Überlegungen nicht schon im Verdacht stehen, christlich vorgeprägt zu sein. Im günstigsten Fall können hier Merkmale von Freiheit in den Blick kommen, die dem genannten Spannungsverhältnis gerecht werden und so auch für Kirche gelten können. In einem Text von Jürgen Werbick über eine Kirche der Freiheit wird das dann auch explizit versucht.

1 Hundertmark, Peter: Glauben? Gern! Aber ohne Gemeinde! In: geistlich.net

Unterrichtsmodul 2 (nicht barrierefrei): Herunterladen [docx][87 KB]

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