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M7 Generation Worship

Generation Worship – Notizen zur Mehr-Konferenz

Die Mehr-Konferenz in Augsburg leistet viel. Während in den Bistümern überlegt wird, wie man immer größer werdende kirchliche Verwaltungsbezirke und Organisationseinheiten zugleich als Erlebnisorte des Glaubens ausstatten kann, ist die Mehr-Konferenz bereits selbst Ort und Ereignis der Glaubensvergewisserung.

Die Mehr-Konferenz geht der Frage nach, die viele religiös aufgeschlossene Zeitgenossen umtreibt: Kann man spüren, was Christen glauben?

Im Zentrum steht eine zeitgemäße Ästhetik des Glaubens. Hierbei geht es um ästhetische Resonanzen des Evangeliums, um Wahrnehmungs- und Gestaltungsmöglichkeiten, die Sinn und Sinnlichkeit des Daseins und des Glaubens gleichermaßen thematisieren. Breiten Raum nehmen Übungen ein, die mit dem Einfühlen und Nachspüren einer Beziehung zwischen Gott und Mensch zu tun haben. Hier geht es um das ästhetische Sich-Einstimmen und In-Stimmung-Bringen. Hier kommen Menschen zusammen, die lernen wollen, wie sie nach dem greifen können, von dem sie ergriffen werden wollen.

Was auf der Mehr-Konferenz und im Gebetshaus Augsburg geschieht, kann einem unbefangenen Teilnehmer ebenso wie einem wohlwollenden Beobachter aber auch bald zu viel werden, wenn er oder sie nicht zur „Generation Worship“ gehört. Diese Zielgruppe fühlt sich angesprochen von liturgischen Formen und katechetischen Formaten, die bei evangelikalen, freikirchlichen und charismatischen Gruppen hoch im Kurs stehen. Dabei geht es um die Erzeugung von Emotion und Atmosphäre – innere und äußere Sphären, die religiöse Ergriffenheit manifestieren und generieren. In den mehrstündigen Lobpreisgottesdiensten, die auf der Mehr-Konferenz durch kurze Lehreinheiten unterbrochen werden oder sich mit längeren Katechesen abwechseln, verschwimmen die Konturen zwischen Popkonzert und Liturgie. Die musikalischen Arrangements ähneln dem Stil der Bands Coldplay oder U2. Sie tragen erheblich dazu bei, dass das Publikum bei geschlossenen Augen die Transzendenz „nach innen“ und zugleich mit hochgereckten Armen den Kontakt „nach oben“ suchen kann.

Somit ist die Mehr-Konferenz ein Ausdruck der aktuellen sozialen Trends: Individualisierung, Ästhetisierung, Erlebnisorientierung.

(c) Hans-Joachim Höhn, in: Herder Korrespondenz 2020, Heft 2, S. 39-40

Arbeitsauftrag

  1. Erläutere, was der Autor unter dem Begriff „Generation Worship“ versteht.
  2. Nimm Stellung zur Aussage, dass das Gebetshaus Augsburg und die Mehr-Konferenz sich liturgischer Formen bedienen, „die bei evangelikalen, freikirchlichen und charismatischen Gruppen hoch im Kurs stehen.“ (Z. 18)

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