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M 1 Rollenspiel: Vor deinen Augen

Ablauf

  • Alle Schülerinnen und Schüler stehen auf einer Linie (am besten auf dem Flur oder auf dem Schulhof).
  • Die Lehrkraft liest die Anfangsgeschichte vor und erklärt die Vorgehensweise:
    • Es werden nach und nach Situationen vorgelesen. Jeder Schüler/jede Schülerin entscheidet jeweils für sich allein, ob sie die Maßnahme billigt, sie schweigend erträgt oder offen protestiert.
    • Je nach der eigenen Entscheidung, bewegen sich die Schülerinnen und Schüler im Raum:
      • Sie gehen einen Schritt vor, wenn sie die Maßnahme gutheißen.
      • Sie bleiben stehen, wenn sie die Maßnahme schweigend tolerieren.
      • Sie gehen einen Schritt zurück, wenn sie offen protestieren.
    • Die Lehrkraft kann entscheiden, ob sie die Schülerinnen und Schüler, die offen protestieren (also einen oder mehrere Schritte zurückgehen), irgendwann „bestraft“, sie also z.B. nicht mehr weiter mitspielen lässt (oder eine andere „Strafmaßnahme“ erfindet).
    • Während des Rollenspiels gibt es keine Diskussion über die Entscheidungen. Erst nach Ende des Spiels werden sie nach ihrer Motivation, ihren Erfahrungen und Gefühlen befragt.

Anfangsgeschichte

Stell dir vor, du lebst in dem Land Alpanien, irgendwo in Mitteleuropa. Eine stabile Demokratie, in der du dich zuhause und wohlfühlst. Seit Generationen lebt deine Familie dort. Es geht dir gut, du hast Arbeit, Freunde und eine Familie die du liebst, mit der du zusammenwohnst und in der ihr gegenseitig Verantwortung übernehmt. Etwa 30% der Staatsbürger sind in den letzten 50 Jahren als Migranten nach Alpanien gekommen – als „Gastarbeiter“, als Arbeitsmigranten oder auch als Asylbewerber. Viele sind gut integriert, ihre Kinder gehen zusammen mit deinen Kindern zur Schule und erhalten – wie alle Schülerinnen und Schüler – besondere Fördermaßnahmen, wenn nötig. Wenn etwas Unvorhergesehenes passieren sollte, man zum Beispiel krank wird, dann kann ja auf das Sozialsystem zählen. Außerdem gibt es Gesetze, die Schutz geben, und die Menschenrechte gelten selbstverständlich für alle und werden anerkannt.

Aber auch Alpanien bleibt nicht unberührt von den politischen Krisen des 21. Jahrhunderts. Neben dem Klimawandel ist vor allem die Migrationspolitik umstritten: Alpanien ist ein traditionell weltoffenes und gastfreundliches Land und hat immer viele Asylbewerber aufgenommen. Doch die Stimmung im Land droht gerade zu kippen…

Klingt gar nicht so fremd, oder?

Im Laufe des Spiels werden dir jedoch unangenehme Situationen und Ereignisse begegnen, die dich und andere betreffen und auf die du reagieren musst. Immer dann, wenn eine solche Situation eintritt, hast du die Wahl:

Du kannst

  • ihr zustimmen, weil du sie eigentlich gutheißt oder tolerierst, In diesem Fall gehst du einen Schritt vor.
  • sie schweigend ertragen In diesem Fall bleibst du einfach stehen.
  • offen protestieren. Du musst allerdings damit rechnen, dass der Protest für dich schwere Konsequenzen hat (z.B. der Verlust der Arbeit, des Hauses oder auch eine Verhaftung) In diesem Fall gehst du einen Schritt zurück.

Und deine Entscheidung musst du alleine treffen. Du darfst dich nämlich nicht mit den anderen absprechen, denn wenn du protestierst, bist du auf dich alleine gestellt und musst die Konsequenzen für dein Handeln tragen. Mit der Unterstützung deiner Freunde und Familie kannst du nicht rechnen. Wäge also gut ab, wie du dich entscheidest!

Situationen

Die Lehrkraft liest die Situationen langsam vor und lässt Zeit zum Überlegen, bevor die Schülerinnen und Schüler reagieren müssen.

  • Bei den freien Wahlen zum alpanischen Parlament erhält eine extremistische Partei 40% der Stimmen. Im Wahlkampf hat sie besonders migrationsfeindliche Positionen bezogen: „Zero Migration“/„Alpanien den Alpaniern“
  • Gemeinsam mit anderen Parteien stellt sie die Regierung und den Präsidenten.
  • Ärzte und Beamte mit Migrationshintergrund, die seit weniger als 10 Jahren in deinem Land leben, dürfen ihren Beruf nicht mehr ausüben.
  • Es werden Gesetze erlassen, die genau definieren, wer als Migrant zu gelten hat: Alle Menschen, die von nicht-alpanischen Eltern geboren wurden und die seit weniger als 30 Jahren im Land leben. Alle eingebürgerten Migranten verlieren automatisch die alpanische Staatsbürgerschaft und damit das Wahlrecht.
  • Alpanische Ehen von Staatsbürgern mit Migranten werden verboten.
  • Migranten werden in Krankenhäusern getrennt von alpanischen Staatsbürgern untergebracht.
  • Kinder von Migranten müssen in eigens für sie eingerichteten Schulen von Lehrkräften, die ebenfalls Migranten sind, unterrichtet werden.
  • Migranten erhalten keine Sozialleistungen vom Staat mehr.
  • Deine Kinder lernen in der Schule, dass die alpanische Rasse allen anderen Rassen überlegen ist.
  • Es kommt zu Ausschreitungen gegenüber Moscheen, Kirchen, Cafés, Restaurants die überwiegend von Migranten besucht werden. Die alpanische Polizei ist an den Ausschreitungen beteiligt.
  • Die ersten Migranten müssen ihre Wohnorte verlassen und werden zu Arbeitseinsätzen mit Unterbringung in Lagern gezwungen.
  • Die systematische Tötung von Migranten wird organisiert und durchgeführt.
  • Das politische Ziel der Regierung lautet: Alpanien soll migrantenfrei sein.

Quelle: Erstellt auf der Basis von globaleslernen.de, lpb-bw.de

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