Biographisches Lernen
In einer Zeit, in der religiöse Biografien nicht mehr die selbstverständliche Integration in eine bestehende Glaubensgemeinschaft, sondern mehr ein individueller Suchweg sind, kann das Konzept des biographischen Lernens ein wichtiger Zugang auf einer konfessionellen Spurensuche sein. Es hat somit das Ziel, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, den eigenen Lebensweg aus der Perspektive des Glaubens zur reflektieren und den weiteren Lebensweg bewusst zu gestalten.
In der konfessionellen Spurensuche in der eigenen Biographie und in der ihrer Familie und ihrer Vorfahren können die Schülerinnen und Schüler Prägungen aufdecken und verstehen, sich zu ihnen positionieren und somit die eigene Identität reflektieren und weiterentwickeln. Aber neben der Reflexion des eigenen Lebens (und des der eigenen Familie) spielt auch die Auseinandersetzung mit fremden Biographien, auch im Sinne der „local heroes“ eine wichtige Rolle. „Local heroes sind Menschen, die – häufig im Nahbereich der Schülerinnen und Schüler – durch exemplarisches Handeln aufgefallen sind, das in besonderer Weise von Mitgefühl, Verlässlichkeit, Verzeihen, Barmherzigkeit, Hilfsbereitschaft geprägt ist (Lehrerfortbildung-BW, 2017).
Eine solche Auseinandersetzung mit fremden – konfessionell geprägten Biographien birgt – wie Lindner schreibt – die Chance „des Hineingenommenwerdens in die Gedankenwelt und Entscheidungsprozesse eines fremden Individuums“ und ermöglicht somit neben der exemplarischen Auseinandersetzung mit konkreten Formen gelebter Religion die „Reibung und Abgrenzung“ von bestimmten Formen gelebter Religiosität (Sajak & Eiff, Biografisches Lernen, 2017). Darüber hinaus werden ethische Lernprozesse angestoßen, wenn Dilemmasituationen und ethische Herausforderungen kennengelernt und in den Biographien exemplarische Handlungsweisen reflektiert und beurteilt werden (Mendl, Orientierung an fremden Biographien, 2011).
Religionspädagogische Grundlagen (nicht barrierefrei): Herunterladen [docx][150 KB]